jETZT: Jena als Experimentierraum für die Forschungskooperationen der Zukunft
10.09.2026 |
Gemeinsame Pressemitteilung der Friedrich-Schiller-Universität Jena, des Fraunhofer IOF, des Leibniz-IPHT, des Helmholtz-Instituts Jena, des TMBWK und des TMWLLR
Neue Formen der Zusammenarbeit erproben seit diesem Sommer die Friedrich-Schiller-Universität Jena, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und der Freistaat Thüringen. Die Partner wollen neue Möglichkeiten ihrer Zusammenarbeit untersuchen, mit denen sie im Jenaer Wissenschaftsökosystem ihre Kompetenzen, Infrastrukturen und Talente noch besser miteinander verbinden können. Das Ziel: Gute Idee sollen schneller aus der Forschung in die Anwendung und Wirtschaft finden. Die beteiligten Einrichtungen wollen dafür praktikable Formate der Zusammenarbeit schaffen, die andernorts an rechtliche und administrative Grenzen stoßen.
Den Raum dafür bietet das neue Modellprojekt „jETZT – Jenaer Experimentierraum für Transfer und Zusammenarbeit in der Photonik“. Die Friedrich-Schiller-Universität Jena, das Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik (Fraunhofer IOF), das Leibniz-Institut für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) und das Helmholtz-Institut Jena (HIJ) entwickeln darin gemeinsam mit dem Freistaat Thüringen neue Modelle für eine engere, flexiblere Zusammenarbeit und testen diese in der Praxis.
Jena als Experimentierraum
Ausgangspunkt ist eine besondere Stärke des Wissenschaftsstandorts Jena: Universität, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und technologieorientierte Unternehmen arbeiten hier seit vielen Jahren eng zusammen. Insbesondere in der Photonik ist ein international sichtbares Wissenschafts- und Innovationsökosystem entstanden, in dem Grundlagenforschung, anwendungsorientierte Forschung und wirtschaftliche Verwertung eng miteinander verbunden sind.
Mit jETZT soll diese Zusammenarbeit einen weiteren Schritt gehen. Der Wissenschaftsstandort wird zum Experimentierraum für neue Kooperationsformen: Die Partner wollen erproben, wie Forschungsinfrastrukturen einfacher gemeinsam genutzt, wissenschaftliche Talente institutionsübergreifend eingesetzt und Transferprozesse beschleunigt werden können. Zugleich sollen rechtliche und administrative Rahmenbedingungen identifiziert werden, die Kooperationen bislang erschweren, und praxistaugliche Lösungen dafür entwickelt werden.
„Eine der großen Stärken Jenas liegt darin, dass Menschen und Institutionen über Organisations- und Fachgrenzen hinweg zusammenarbeiten. Mit jETZT gehen wir nun den nächsten Schritt: Wir verbinden nicht nur Forschung und Infrastrukturen, sondern schaffen auch neue Wege für Menschen und Ideen zwischen Universität, außeruniversitärer Forschung und Wirtschaft. Damit wird Jena zum Reallabor für die Frage, wie ein vernetztes Wissenschaftssystem der Zukunft funktionieren kann“, sagt Prof. Dr. Thomas Pertsch, Vizepräsident für Forschung und Innovation der Friedrich-Schiller-Universität Jena.
Das Projekt knüpft damit zugleich an die strategische Entwicklung der Universität Jena an. Unter dem Leitgedanken „Light. Life. Liberty. – Connecting People and Ideas“ setzt sie auf die Verbindung von Menschen, Disziplinen und Institutionen, um neue wissenschaftliche Ideen zu ermöglichen und ihre Wirkung in Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft zu stärken.
Forschungsergebnisse kommen schneller in die Anwendung
Ein Schwerpunkt von jETZT liegt auf der gemeinsamen Nutzung hochwertiger Forschungsinfrastrukturen. Großgeräte, Laboranlagen, wissenschaftliche Dienstleistungen und weitere Ressourcen sollen künftig leichter institutionsübergreifend zur Verfügung stehen. Dafür wollen die Partner unter anderem eine Kooperationsplattform entwickeln und rechtssichere, möglichst standardisierte Verfahren etablieren.
Davon sollen perspektivisch nicht nur die beteiligten Forschungseinrichtungen profitieren. Auch technologieorientierte Unternehmen und Start-ups sollen leichter Zugang zu wissenschaftlicher Infrastruktur und Know-how erhalten. So kann vorhandene Infrastruktur effizienter genutzt und der Weg von neuen Forschungsergebnissen in die Anwendung verkürzt werden.
Neue Karrierewege über Institutionsgrenzen hinweg
Der zweite Schwerpunkt richtet sich auf die Menschen im Wissenschaftssystem. jETZT will neue Modelle für Karrierewege zwischen Universität, außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Wirtschaft erproben. Personalrotation, gemeinsame Personalentwicklung und institutionsübergreifende Karrierepfade sollen den Austausch von Wissen und Erfahrungen erleichtern.
Damit soll es für Forschende attraktiver und einfacher werden, im Laufe ihrer Karriere zwischen Grundlagenforschung, anwendungsorientierter Forschung und Wirtschaft zu wechseln oder gleichzeitig in unterschiedlichen institutionellen Kontexten tätig zu sein. Zugleich wollen die Partner dazu beitragen, wissenschaftliche Talente für Jena und Thüringen zu gewinnen und langfristig in der Region zu halten.
„Jena zeigt, welches Potenzial entsteht, wenn Forschung und Industrie gemeinsam Spitzentechnologien entwickeln. Mit dem Jenaer Experimentierraum wollen wir bürokratische Hürden abbauen und den Forschungstransfer effizienter gestalten. Gerade in der Photonik können wir dabei auf ein über Jahrzehnte gewachsenes Netzwerk zwischen Grundlagenforschung, angewandter Forschung und Industrie aufbauen. Die hier entwickelten Lösungen können zugleich Impulse für das deutsche Wissenschafts- und Innovationssystem geben“, unterstreicht Prof. Andreas Tünnermann, Wissenschaftsmanager und Institutsleiter des Fraunhofer IOF, die Ziele des Vorhabens.
Aus Jena Impulse für das Wissenschaftssystem entwickeln
Damit Kooperationen tatsächlich einfacher werden, nimmt jETZT auch die rechtlichen und administrativen Rahmenbedingungen in den Blick. Fragen etwa zur gemeinsamen Nutzung von Infrastruktur, zum Personaleinsatz, zu steuerrechtlichen Vorgaben oder zu Abrechnungsverfahren sollen nicht für jedes Kooperationsprojekt neu gelöst werden müssen. Stattdessen wollen die Partner Erfahrungen bündeln und Verfahren so standardisieren, dass sie die Zusammenarbeit erleichtern und zugleich Rechtssicherheit gewährleisten.
Der Freistaat Thüringen begleitet diesen Prozess durch das Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur sowie das Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Landwirtschaft und Ländlichen Raum. Dabei soll auch geprüft werden, an welchen Stellen bestehende Regelungen weiterentwickelt werden können.
„Mit jETZT nutzen wir die besondere Dichte und Vernetzung des Wissenschaftsstandorts Jena, um ganz praktisch zu erproben, wie Zusammenarbeit einfacher und wirkungsvoller werden kann. Unser Ziel ist es, gemeinsam mit den Wissenschaftseinrichtungen Lösungen zu entwickeln, die Forschung und Transfer mehr Freiräume geben und zugleich rechtssicher sind. Was sich in Jena bewährt, kann anschließend auch für andere Wissenschaftsstandorte interessant sein“, sagt Thüringens Wissenschaftsminister Christian Tischner.
Denn viele der Fragen, die jETZT bearbeitet, stellen sich nicht nur in Jena. Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen in ganz Deutschland stehen vor der Herausforderung, Kooperationen über institutionelle Grenzen hinweg einfacher zu organisieren, Infrastrukturen effizienter zu nutzen und Karrierewege durchlässiger zu gestalten. Die in Jena entwickelten Ansätze sollen deshalb auf ihre Übertragbarkeit geprüft, wissenschaftspolitisch ausgewertet und bundesweit zugänglich gemacht werden.
So soll aus dem Jenaer Experimentierraum ein Modell entstehen, das über den Standort hinausweist: für ein Wissenschafts- und Innovationssystem, in dem Menschen, Ideen und Ressourcen leichter zueinanderfinden. (FSU/CP)
jETZT – Jenaer Experimentierraum für Transfer und Zusammenarbeit in der Photonik
Förderzeitraum: 1. Juli 2026 bis 30. Juni 2031
Förderung: 500.000 Euro durch die VolkswagenStiftung
Beteiligte Partner:
- Friedrich-Schiller-Universität Jena
- Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik IOF (Fraunhofer IOF)
- Leibniz-Institut für Photonische Technologien (IPHT)
- Helmholtz-Institut Jena (HIJ)
- Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur (TMBWK)
- Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Landwirtschaft und Ländlichen Raum (TMWLLR)
jETZT ist eines von zehn bundesweit von der VolkswagenStiftung geförderten Vorhaben, die von 2026 bis 2031 neue Ansätze für die Weiterentwicklung des Wissenschafts- und Innovationssystems erproben.













