Woher kommen Gold und Platin im Universum? Darmstädter Forschende verbessern Modelle zur Entstehung schwerer Elemente

17.08.2026

Diese Meldung basiert auf einer Pressemitteilung der Technischen Universität Darmstadt

Woher stammen Gold, Platin oder Uran? Diese Frage beschäftigt Astrophysik und Kernphysik seit Jahrzehnten. Ein Forschungsteam der Technischen Universität Darmstadt hat nun einen wichtigen Schritt zum Verständnis der Entstehung der schweren Elemente gemacht. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Physical Review Letters veröffentlicht und zeigen erstmals, wie moderne ab-initio-Berechnungen von Atomkernen die Vorhersagen für die sogenannte r-Prozess-Nukleosynthese deutlich verbessern können.

Etwa die Hälfte aller Elemente schwerer als Eisen entsteht im sogenannten schnellen Neutroneneinfangprozess, kurz r-Prozess. Dieser läuft unter extremen Bedingungen ab, etwa bei der Kollision zweier Neutronensterne. Dabei werden Atomkerne innerhalb kürzester Zeit mit Neutronen bombardiert und bilden so immer schwerere Elemente.

Das Problem: Viele der beteiligten Atomkerne sind extrem neutronenreich und können nicht im Labor untersucht werden. Wissenschaftler*innen sind daher auf theoretische Modelle angewiesen, deren Vorhersagen insbesondere weit entfernt von experimentell bekannten Kernen oft stark voneinander abweichen. Manche der exotischen Atomkerne können von Forschungsanlagen wie GSI/FAIR erzeugt werden. „Die Studie zeigt damit auch, dass sich der größtmögliche Erkenntnisgewinn durch die Kombination neuer Experimente mit modernsten theoretischen Modellen für Schlüsselregionen von neutronenreichen Kernen erzielen lässt. So sind die Berechnungen auch von wichtiger Bedeutung, um die relevantesten Isotope zu identifizieren, die in künftigen Experimenten untersucht werden sollten“, erläutert Almudena Arcones, Professorin für Theoretische Astrophysik an der TU Darmstadt und Mitglied der Abteilung Theorie bei GSI/FAIR.

Die Forschenden nutzten erstmals Kernmassen, die mit einer modernen ab-initio-Methode berechnet wurden. Anders als viele etablierte Modelle basiert dieser Ansatz direkt auf den grundlegenden Wechselwirkungen zwischen Protonen und Neutronen und erlaubt es die theoretischen Unsicherheiten abzuschätzen.

Mit Hilfe der sogenannten Valence-Space In-Medium Similarity Renormalization Group (VS-IMSRG) Methode berechneten Takayuki Miyagi und Achim Schwenk die Eigenschaften von 70 besonders wichtigen Atomkernen in der Umgebung der magischen Neutronenzahl N = 82. Diese Region spielt eine zentrale Rolle bei der Bildung des sogenannten zweiten r-Prozess-Peaks, einer charakteristischen Häufung bestimmter schwerer Elemente im Universum. Die neuen Berechnungen wurden anschließend in umfangreiche Simulationen der Elemententstehung eingebunden, darunter Szenarien von Neutronenstern-Verschmelzungen sowie anderen extremen astrophysikalischen Ereignissen.

Die Ergebnisse zeigen, dass die neu berechneten Kernmassen den Materialfluss im r-Prozess stärker bremsen als bisherige Modelle. Materie sammelt sich dadurch länger in einer bestimmten Kernregion an, bevor die Synthese noch schwererer Elemente fortgesetzt wird.

„Bereits vergleichsweise kleine Änderungen der Kernmassen können die vorhergesagten Häufigkeiten schwerer Elemente im Universum deutlich beeinflussen“, sagt Erstautor Jan Kuske, der dazu in der Arbeitsgruppe von Professorin Almudena Arcones promovierte. Die Studie sagt insbesondere eine stärkere Ausprägung des zweiten r-Prozess-Peaks sowie eine Verschiebung des dritten Peaks voraus. Damit liefert sie neue Hinweise darauf, wie Gold, Platin und andere schwere Elemente nach Neutronenstern-Kollisionen entstehen.

Die Forschenden betonen, dass viele der für den r-Prozess relevanten Kerne auch mit den kommenden Generationen von Beschleunigeranlagen nur schwer zugänglich sein werden. Deshalb gewinnen präzise theoretische Methoden zunehmend an Bedeutung. Die Studie zeigt, dass ab-initio-Berechnungen inzwischen ein Niveau erreicht haben, auf dem sie direkt zu einem besseren Verständnis astrophysikalischer Prozesse beitragen können. (TUD/BP)

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Diese Arbeiten wurden durch die Deutschen Forschungsgemeinschaft (SFB 1245) und den Europäischen Forschungsrat (ERC AdG EUSTRONG) gefördert.

Veröffentlichung in der Fachzeitschrift Physical Review Letters

Pressemitteilung der TU Darmstadt

 



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