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17.11.2017 | Drei Wissenschaftler mit Christoph-Schmelzer-Preis 2017 ausgezeichnet

Foto: G. Otto, GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung

Preisträger

 

Der Christoph-Schmelzer-Preis geht in diesem Jahr an drei junge Wissenschaftler. Lennart Volz vom Deutschen Krebsforschungszentrum DKFZ in Heidelberg, Dr. Johannes Petzoldt von der IBA-Group in Louvain-la-Neuve (Belgien) sowie Dr. Kristjan Anderle vom GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt haben die Auszeichnung am 16. November auf dem GSI-Campus in Darmstadt erhalten. Mit der Preisverleihung prämiert der Verein zur Förderung der Tumortherapie mit schweren Ionen e.V. jährlich herausragende Master- und Promotionsarbeiten auf dem Gebiet der Tumortherapie mit Ionenstrahlen.

Das Grußwort zum 20-jährigen Bestehen des Vereins zur Förderung der Tumortherapie mit schweren Ionen sprach Dr. Helmut Zeitträger, ehemaliger Kaufmännischer Geschäftsführer von GSI. Zuvor hatte Dr. Dieter Schardt, Vorstandsvorsitzender des Fördervereins, die Teilnehmer begrüßt. Den Festvortrag hielt der medizinische Leiter und Geschäftsführer der MedAustron GmbH, Professor Dr. Eugen B. Hug zum Thema „Partikeltherapie: von Nischenexistenz zur klinischen Routine?“

In seiner Masterarbeit an der Universität Heidelberg hat Lennart Volz sich mit der Anwendbarkeit von Ionenstrahlen für eine Bildgebung am Patienten beschäftigt. Dabei sollen Ionenstrahlen mit geringer Intensität, aber hoher Energie den Körper durchdringen, um das Abbremsverhalten verschiedener Gewebetypen an verschiedenen Stellen des Körpers einzelner Patienten zu ermitteln. Ist dieses individuelle Verhalten bekannt, kann die Genauigkeit der folgenden Ionenstrahltherapie verbessert werden. Volz entwickelte einen Formalismus zur Beschreibung der Flugbahn von Ionen in Materie und konnte im Experiment zeigen, dass sich Helium-Ionen für dieses Bildgebungsverfahren gut eignen würden.

In Dr. Johannes Petzoldts Dissertation an der TU Dresden geht es um die Messung des Ionenstrahls während der Behandlung. Dafür könnte ein neues Verfahren, das sogenannte "Prompt Gamma Timing", genutzt werden, bei dem Gammastrahlung aus Kernreaktionen der zur Behandlung verwendeten Ionen entlang ihres Weges zum Zielvolumen ausgewertet wird. Petzoldt ermittelte systematisch das am besten geeignete Detektormaterial zur Messung der Gammastrahlung in diesem Anwendungsfall. Des Weiteren untersuchte er, inwiefern Schwankungen der Parameter des Behandlungsstrahls die Gamma-Messung beeinflussen, und wie sich diese bestimmen lassen. Schließlich demonstrierte er die klinische Machbarkeit des Prompt Gamma Timings durch die Erstellung eines Prototyps für einen Messaufbau.

Dr. Kristjan Anderle verbesserte in seiner Dissertation an der TU Darmstadt die vielfach verwendete Software TRiP zur Planung von Behandlungen mit Ionenstrahlen. Sie ist nun in der Lage, auch komplexe Fälle mit großen oder mehreren Tumoren und zahlreichen Risikoorganen effizient und schnell zu berechnen. Des Weiteren führte er Bestrahlungsplanungsstudien für Fälle von Lungentumoren durch. Durch den enormen technischen Fortschritt bei der Bestrahlungstechnik und Bildgebung in der herkömmlichen Bestrahlungstechnik mit Photonen ist es heute möglich, kleinere Lungentumoren in wenigen Sitzungen mit hoher Dosis effektiv zu bestrahlen. Dies gelingt allerdings bei größeren Tumoren und komplexeren Situationen mit nahe gelegenen Risikoorganen häufig nicht aufgrund zu hoher Belastung des gesunden Gewebes. Anderle konnte zeigen, dass sich durch eine Ionenbestrahlung auch ein Großteil dieser Fälle abdecken ließe und so deutlich mehr Patienten effektiv behandelt werden könnten.

Das Preisgeld beträgt für die Masterarbeit 750 Euro und für die Dissertationen jeweils 1500 Euro. Benannt ist die Auszeichnung, die in diesem Jahr zum 19. Mal verliehen wird, nach Professor Christoph Schmelzer, dem Mitbegründer und ersten Wissenschaftlichen Geschäftsführer von GSI. Das GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung, wo die Schwerionentherapie in Deutschland in den 1990er Jahren bis zur klinischen Reife entwickelt wurde, bietet traditionell den passenden Rahmen für die jährliche Festveranstaltung.

Der Verein zur Förderung der Tumortherapie unterstützt Aktivitäten im Rahmen des Forschungsprojekts „Tumortherapie mit schweren Ionen" bei GSI mit dem Ziel, durch Weiterentwicklung des Systems die Behandlung von Tumoren zu verbessern und der allgemeinen Patientenversorgung zur Verfügung zu stellen. An der Beschleunigeranlage bei GSI wurden im Rahmen eines Pilotprojekts  von 1997 bis 2008 über 400 Patienten mit Tumoren im Kopf- und Halsbereich mit Ionenstrahlen behandelt. Die Heilungsraten dieser Methode liegen zum Teil bei über 90 Prozent und die Nebenwirkungen sind sehr gering. Am Heidelberger Ionenstrahl-Therapiezentrum (HIT) werden Patienten seit 2009 routinemäßig mit schweren Ionen behandelt. 2015 wurde das Marburger Ionenstrahl-Therapiezentrum (MIT) eröffnet und damit eine zweite große Therapie-Anlage mit 12C-Ionen und Protonen in Deutschland in Betrieb genommen.

Weitere Informationen:

Verein zur Förderung der Tumortherapie mit schweren Ionen e.V.


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Preisträger
Die Preisträger des Christoph-Schmelzer-Preises 2017 (v.l.): Dr. Johannes Petzoldt, Lennart Volz, Dr. Kristjan Anderle
Foto: G. Otto, GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung