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08.10.2003 | Meilenstein im Kampf gegen Krebs

Siemens und die GSI unterzeichnen einen Vertrag, um eine neue Methode zur Bestrahlung von Tumoren einer größeren Patientenzahl zugänglich zu machen

A. Zschau/GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH

Behandlungsplatz am Beschleuniger der GSI

A. Zschau/GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH

Modell einer geplanten Schwerionenklinik in Heidelberg

GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH

Rasterscanverfahren

 

Krebs heißt die Diagnose, die bei jährlich weit über 300 000 Menschen in Deutschland gestellt wird - jeder vierte Deutsche stirbt an der damit zweithäufigsten Todesursache. Die Gesellschaft für Schwerionenforschung (GSI) und Siemens Medical Solutions machen heute mit der Unterzeichnung eines Partnerschaftsvertrages in Darmstadt eine neue Bestrahlungstherapie der klinischen Routine zugänglich, sodass in Zukunft mehr Patienten behandelt werden können. Durch diese neue Methode, die "Partikeltherapie mit Schwerionen", steigen die Heilungschancen bei einigen Krebs-Tumoren - wie zum Beispiel bei bösartigen Tumoren, die vom Knorpel der Schädelbasis ausgehen, auf über 90 Prozent - wie Studien bei der GSI belegen. Siemens übernimmt die Produktion und Vermarktung der Bestrahlungsanlagen, basierend auf der bei GSI entwickelten Therapieform. Die Partikeltherapie zeichnet sich durch besonders hohe Präzision und Effizienz aus und bietet den Vorteil, auch Tumorerkrankungen behandeln zu können, die aufgrund ihrer Lage oder Nähe zu Risikoorganen nur schwer oder gar nicht zu behandeln sind - ein Meilenstein in der Krebstherapie.

Die Partikeltherapie mit Schwerionen ist ein sehr präzises und biologisch hochwirksames Therapieverfahren. Über eine Beschleunigeranlage werden die Schwerionen auf eine sehr hohe Geschwindigkeit gebracht und in den Tumor geschossen. Dort fügen die Schwerionen den Tumorzellen irreparable Schäden zu. Durch die exakt berechenbare Reichweite und mithilfe einer millimetergenauen Steuerung lässt sich der Tumor punktgenau bestrahlen, wodurch das umliegende gesunde Gewebe geschont wird. Ein stationärer Aufenthalt im Krankenhaus ist bei dieser Behandlung nur in Ausnahmefällen nötig, da bisher außer leichten Hautrötungen kaum Nebenwirkungen auftraten. "Die Ergebnisse haben unsere Erwartungen übertroffen, da wir eine sehr schnelle und auch dauerhafte Tumorreaktion in diesen Patienten gesehen haben. Wir möchten diese Art der Bestrahlung auch an anderen Tumoren und größeren Patientenzahlen einsetzen", sagte PD Dr. Dr. Jürgen Debus, ärztlicher Direktor der Klinischen Radiologie Heidelberg.

Die Kooperation von Siemens mit der GSI stellt für das ehrgeizige Projekt der Partikeltherapie mit Schwerionen einen entscheidenden Schritt nach vorne dar: Denn diese neue und effektive Methode zur Behandlung von Tumoren soll durch den Wissensaustausch zwischen Forschung und Industrie einer großen Zahl an Patienten zugänglich gemacht werden. "Die Anerkennung als Heilverfahren haben wir bereits für einige Indikationen. Daher ist es nun wichtig, weitere Möglichkeiten für klinische Erprobungen auch auf anderen Tumorgebieten zu erhalten", erläuterte Professor Dr. Walter F. Henning, Wissenschaftlicher Direktor der GSI. "Die Behandlung mit Schwerionen ist eine Therapiemaßnahme mit großen Zukunftschancen, welche wir als ganzheitlicher Lösungsanbieter für Diagnose und Therapie gerne in unser Produkt-Spektrum aufnehmen, um so unsere Stellung in der Onkologie weiter ausbauen zu können", erklärte Dr. Hermann Requardt, Mitglied des Bereichsvorstandes, Siemens Medical Solutions.

Finanziert aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Land Hessen hat die GSI gemeinsam mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum, dem Universitätsklinikum Heidelberg und dem Forschungszentrum Rossendorf die Therapie mit Schwerionen entwickelt. In einer klinischen Studie konnten seit 1997 etwa 200 Patienten mit dieser Methode erfolgreich bei der GSI behandelt werden. "Schwerionentherapie ist ein Quantensprung in der Entwicklung der Strahlentherapie: Ionenstrahlen sind ein neues Skalpell in der Hand des Arztes, das besonders scharf und präzise geführt werden kann. Die Schwerionentherapie hat eine gute Chance sich zu einer unblutigen Strahlen-Chirurgie zu entwickeln mit allen positiven Folgen für den Patienten: höhere Heilungschancen, kürzere Behandlungsdauer und weniger Nebenwirkungen. Die bisherige klinische Studie hat diesen Trend voll bestätigt", sagte Professor Gerhard Kraft, Abteilungsleiter Biophysik der GSI. "Mit der Serien-Produktion von Ionen-Therapie-Anlagen durch Siemens wird diese Entwicklung in absehbarer Zeit für mehr Patienten zugänglich sein."

Weitere Informationen

Film zum Rasterscanverfahren

Firmenprofile:

Die Gesellschaft für Schwerionenforschung (GSI) in Darmstadt ist ein vom Bund und dem Land Hessen finanziertes Forschungszentrum der Grundlagenforschung. Der Bau und Betrieb von Beschleunigeranlagen sowie die Forschung mit schweren Ionen sind Aufgabe der rund 850 Mitarbeiter. Jährlich kommen über 1.000 Wissenschaftler denen die GSI, ihrer Aufgabe entsprechend, den Zugang zur ihren Forschungsanlagen ermöglicht. Die GSI verfügt über eine hervorragende und weltweit einmalig Beschleunigeranlage für Ionenstrahlen. Das Forschungsprogramm der GSI umfasst ein breites Spektrum, das von Kern- und Atomphysik über die Plasma- und Materialforschung bis hin zur Tumortherapie reicht. Die wohl bekanntesten Resultate sind die Entdeckung von sechs neuen chemischen Elementen mit den Ordnungszahlen 107 - 112 und die Entwicklung einer neuartigen Tumortherapie mit Ionenstrahlen. Mit diesen und einer Vielzahl anderer wissenschaftlicher Resultate nimmt die GSI eine international führende Position in der Forschung mit Ionenstrahlen ein. Bis 2012 soll bei GSI ein neues internationales Beschleunigerzentrum für die Forschung mit Ionen- und Antiprotonenstrahlen entstehen. Dort sollen grundlegende bisher ungelöste Fragen vom Aufbau der Materie und der Entwicklung des Universums beantwortet werden. Weitere Informationen unter: GSI

Siemens Medical Solutions (Siemens) ist weltweit einer der größten Anbieter im Gesundheitswesen. Der Bereich steht für innovative Produkte und Komplettlösungen sowie für ein umfangreiches Angebot von Dienst- und Beratungsleistungen. Abgedeckt wird das gesamte Spektrum über bildgebende Systeme für Diagnose und Therapie, die Elektromedizin und die Audiologie bis hin zu IT-Lösungen. Mithilfe dieser Lösungen ermöglicht Siemens seinen Kunden, sichtbare Ergebnisse sowohl im klinischen, als auch im administrativen Bereich zu erzielen - so genannte "Proven Outcomes". Innovationen aus dem Hause Siemens optimieren Arbeitsabläufe in Kliniken und Praxen und führen zu mehr Effizienz in der Gesundheitsversorgung. Siemens Med beschäftigt weltweit rund 31 000 Mitarbeiter und ist in 120 Ländern präsent. Im Geschäftsjahr 2002 (30. September) erzielte Siemens Med einen Umsatz von 7,6 Mrd. EUR sowie einen Auftragseingang von 8,4 Mrd. EUR. Das Bereichsergebnis betrug 1 Mrd. EUR. Weitere Informationen unter: http://www.siemens.com/medical

Kontakt:

GSI
Dr. Ingo Peter
Tel. 06159 - 71 2598
E-Mail: Ingo Peter

Siemens Medical Solutions
Melanie Schmude
Tel. 09131 - 84 8335
E-Mail: Melanie Schmude

Für medizinische Fragen:
PD Dr. Dr. J. Debus
Tel. 06221 - 568200
E-Mail: Jürgen Debus


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Behandlungsplatz am Beschleuniger der GSI
Modell einer geplanten Schwerionenklinik in Heidelberg
Rasterscanverfahren
Das Bild zeigt den Behandlungsplatz am Beschleuniger der GSI, an dem die klinischen Studien zur Tumortherapie mit schweren Ionen durchgeführt werden. Um den Tumor exakt bestrahlen zu können, muss der Kopf des Patienten fixiert werden.
Das Bild zeigt das Modell einer geplanten Schwerionenklinik in Heidelberg.
Eine präzise Bestrahlung komplex geformter Tumoren erlaubt das bei GSI entwickelte und erstmals in der Strahlentherapie eingesetzte Rasterscanverfahren. Der Schwerionenstrahl wird mit Hilfe von Magnetfeldern seitlich abgelenkt und die Eindringtiefe über die Energie der Ionen von Puls zu Puls eingestellt. Zur Intensitätsregelung verweilt der Strahl so lange auf jedem Punkt, bis die berechnete Solldosis erreicht ist. Es stellt eine erhebliche Verbesserung im Vergleich zu herkömmlichen Bestrahlungsmethoden dar.
A. Zschau/GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH
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GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH