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26.03.2003 | Gesellschaft für Schwerionenforschung erhält vom Land Hessen 1 Mio. Euro für Erweiterung der Beschleunigeranlage

Wissenschaftsministerin Ruth Wagner überreicht Bewilligungsbescheid beim Besuch der GSI in Darmstadt

 

Die Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Ruth Wagner, hat der Gesellschaft für Schwerionenforschung in Darmstadt (GSI) eine Mio. Euro für die Realisierung einer hochmodernen Beschleunigeranlage bewilligt. Wagner besuchte heute die Forschungsanlage der GSI und überreichte dem Wissenschaftlichen Geschäftsführer der Forschungseinrichtung, Prof. Dr. Walter Henning, den entsprechenden Bewilligungsbescheid. "Auch in Zeiten knapper öffentlicher Kassen ist das Land Hessen in der zu Ende gehenden Legislaturperiode bei seiner Linie geblieben, der Wissenschafts- und Forschungsförderung hohe Priorität einzuräumen, um so den Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Hessen zu stärken. Zu den besonders zukunftsweisenden Projekten gehört die geplante Erweiterung der Beschleunigeranlage, denn hierdurch erhält die GSI die Perspektive, zum europäischen Forschungszentrum der Schwerionenforschung mit weltweit einzigartigen Experimentierbedingungen ausgebaut zu werden", sagte Wagner.

Während ihrer Amtszeit in den vergangenen vier Jahren sei es gelungen, auch die Förderung von Wissenschaft und Forschung außerhalb der Hochschulen deutlich zu verbessern. Im laufenden Haushaltsjahr seien dafür 104,6 Mio. Euro vorgesehen - gut vier Millionen Euro mehr als im Jahr 2002 (100,4 Mio. Euro). "Wissenschaft und Forschung sind wesentliche, für die Zukunftsfähigkeit des Landes unerlässliche Innovationskräfte. Das vom Wissenschaftsrat begutachtete und empfohlene GSI-Projekt ist dafür ein besonders eindrucksvolles Beispiel," sagte Wagner. Entsprechend den vertraglichen Vereinbarungen mit dem Bund habe das Land Hessen bereits fest zugesagt, zehn Prozent der ge schätzten Gesamtkosten in Höhe von 675 Mio. Euro zu übernehmen. Diese Zusage sei eine wichtige Voraussetzung für die Grundsatzentscheidung des Bundes gewesen, 65 Prozent der Kosten zu tragen. Die restlichen 25 Prozent sollten bei europäischen Kooperationspartnern eingeworben werden.

"Die jetzt von mir bewilligte Fördersumme von einer Mio. Euro hilft der GSI dabei, das technisch sehr komplizierte Projekt ausführungsreif vorzubereiten", so Wagner. Sie wies darauf hin, dass der Bund bisher nur eine Absichtserklärung abgegeben habe. Das Land Hessen dagegen habe seine aktuelle Fördersumme von einer Mio. Euro bereits im Haushalt 2003 fest verankert.

Die Ministerin begrüßte die Ankündigung des Bundes, sich finanziell an diesem Vorhaben zu beteiligen. Gleichzeitig aber kritisierte sie, dass der Bund bereits gegebene Förderzusagen für die außeruniversitäre Forschung nun doch nicht einhalten wolle. "Bund und Länder haben sich im Sommer 2002 darauf verständigt, dass die gemeinsam finanzierten Forschungseinrichtungen im Jahr 2003 Haushaltszuwächse zwischen zweieinhalb und dreieinhalb Prozent erhalten. Wir haben die Mittel im Landeshaushalt 2003 auch entsprechend veranschlagt. Die Komplementärmittel, die das Land in der Gemeinschaftsfinanzierung aufzubringen hat, stehen also nach den Vereinbarungen vom Sommer 2002 zur Verfügung. Der Bund dagegen hat nach der Bundestagswahl einseitig Kürzungen vorgenommen, die zu einem realen Minus bei allen Einrichtungen führen werden, denn nach den Landeshaushaltsordnungen müssen alle Länder die Auszahlungen in der institutionellen Förderung ebenfalls entsprechend reduzieren. Die Bundesregierung vernachlässigt 2003 die Forschung - die bisherige Landesregierung in Hessen dagegen ist bereit, obwohl die Finanzlage in Hessen nicht besser ist, Forschungspolitik auch in schwierigen Zeiten die nötige Priorität einzuräumen", betonte Ministerin Wagner. Von den Kürzungen des Bundes sei auch das laufende Budget der GSI mit 1,7 Mio. Euro negativ betroffen. "Deshalb habe ich Ministerpräsident Roland Koch und meinem Nachfolger im Amt des Wissenschaftsministers, Udo Corts, empfohlen, die im Landeshaushalt 2003 veranschlagten Mittel projektbezogen in voller Höhe für Forschungszwecke in Hessen einzusetzen", sagte Wagner.

Die GSI erbringe Spitzenleistungen nicht nur als Zentrum naturwissenschaftlicher Grundlagenforschung, sondern habe es in Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum sowie dem Krebsforschungszentrum Heidelberg auch ermöglicht, dass die Schwerionenphysik für die Zerstörung bisher nicht therapierbarer Tumore eingesetzt werde. "Aufgrund der mit Hilfe des GSI-Beschleunigers erzielten offenkundigen Behandlungserfolge wird jetzt in Heidelberg eine auf medizinische Anwendungen spezialisierte Beschleunigeranlage für schwere Ionen geplant, an deren Konzipierung und technischer Realisierung die GSI maßgeblich beteiligt ist", sagte Wagner. Dies beweise einmal mehr die große Bedeutung der Grundlagenforschung. "Sie bringt, wenn Wissenschaftler bereit sind, Anwendungsbezüge ihrer Disziplin bewusst zu suchen und zu erproben, Innovationen hervor, die in der Praxis vielen Menschen helfen können", so die Wissenschaftsministerin.

Vorbildlich sei auch die enge Zusammenarbeit der GSI mit Universitäten, insbesondere mit den benachbarten hessischen Hochschulen in Darmstadt, Frankfurt und Gießen. "Gemeinsame Berufungen leitender Wissenschaftler, die zugleich als Professoren an Universitäten tätig sind, Kooperationsverträge mit Universitäten, die Durchführung gemeinsamer Forschungsprojekte und vor allem die gemeinsame Ausbildung hoch qualifizierter wissenschaftlicher Nachwuchskräfte, denen die GSI in Absprache mit den Universitäten Arbeitsmöglichkeiten bietet, führen zu einem Höchstmaß an wissenschaftlichen Synergien und effektiver Ressourcennutzung. Schwerionenforschung in Hessen ist auf diese Weise zu einem profilbildenden Schwerpunkt geworden, der Wissenschaftler aus der ganzen Welt anzieht", sagte Wagner.

Professor Henning dankte Ministerin Wagner für die zusätzliche Bewilligung der beantragten Projektfördermittel, die er als Verpflichtung auffasse, die Anstrengungen zur langfristigen Sicherung der GSI als Leuchtturm der Spitzenforschung in Hessen kraftvoll fortzusetzen. In einem harten Wettbewerb aller deutschen Forschungseinrichtungen um Investitionsmittel für Großgeräte naturwissenschaftlicher Grundlagenforschung habe das GSI-Projekt als eines von wenigen den Wettbewerb mit sehr positivem Votum des als Gutachtergremium tätigen Wissenschaftsrates bestanden. Die Bauarbeiten sollten 2005/6 beginnen und rund sechs Jahre dauern.

Henning sagte, die GSI habe dem Land Hessen, das bisher immer ein verlässlicher, förderlicher Partner gewesen sei, ebenfalls zu danken und habe ihm die höchste Reverenz erwiesen, zu der die GSI auf ihrem Spezialgebiet fähig sei. Als überzeugenden, auch für eine breite Öffentlichkeit sinnfälligen Beleg ihrer Leistung werte die GSI die Entdeckung einer Reihe neuer, superschwerer Elemente des chemischen Periodensystems dank großartiger Experimente mit Hilfe des Beschleunigers. Eines dieser Elemente, das mit der Ordnungszahl 108, sei auf Vorschlag der GSI auf den Namen "Hassium" getauft worden und dokumentiere damit für die Naturwissenschaftler der ganzen Welt, welch günstige Perspektiven ihnen die hessische Region zu bieten habe. Professor Henning berichtete, dass die zuständige internationale Fachorganisation der GSI jüngst das Recht zugesprochen habe, ein weiteres von ihr entdecktes Element, das mit der Ordnungszahl 110, zu benennen. Die GSI habe den Namen "Darmstadtium" vorgeschlagen und sei zuversichtlich, dass er genehmigt werde. Damit werde auch die Stadt Darmstadt in das Pantheon der Naturwissenschaft aufgenommen werden; die GSI statte ihren Dank dafür ab, dass Darmstadt ihr ebenfalls stets ein förderlicher Standort gewesen sei. Professor Henning lud Ministerin Wagner als Darmstädter Bürgerin und Landtagsabgeordnete herzlich zur Taufe des Elements "Darmstadtium" ein, die voraussichtlich im Herbst 2003 in der GSI stattfinden werde.