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12.06.2001 | GSI trauert um ihren ersten Wissenschaftlichen Direktor

A. Zschau/GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH

Professor Dr. Christoph Schmelzer

 

Professor Dr. Christoph Schmelzer, einer der Gründungsväter der GSI und von 1969 - 1978 ihr erster Wissenschaftlicher Direktor, ist am Sonntag, dem 10. Juni 2001, im Alter von 92 Jahren in Heidelberg gestorben. Wir haben diese Nachricht mit tiefer Betroffenheit und großer Trauer aufgenommen.

Die GSI hat Herrn Schmelzer sehr viel zu verdanken. Er war Vorbild einer ganzen Wissenschaftlergeneration. Die Wissenschaft bildete den Mittelpunkt seines Lebens. Mit dem Bau des UNILAC konnte er seine Vision eines neuartigen Beschleunigerkonzepts umsetzen. Mit seinen strategischen Ideen legte er die Grundlage für bahnbrechende wissenschaftliche Erfolge, die der GSI hohe internationale Anerkennung brachten und neue Wege für die Zukunft aufzeigten.

Carl Christoph Schmelzer wurde am 17. November 1908 in Lichtentanne in Sachsen geboren; er legte in Zwickau sein Abitur ab und begann 1928 an der Technischen Hochschule in München Chemie zu studieren. Nach zwei Jahren wechselte er die Universität, er ging nach Jena, und - wahrscheinlich signifikanter - er wechselte das Fach: Er begann das Studium der Physik, das er 1935 mit der Dissertation über "Absolutmessung dielektrischer Verluste bei hohen Frequenzen" abschloss. Sein Doktorvater war Max Wien.

Nach 10-monatiger Tätigkeit als Privatassistent bei Max Wien folgte Herr Schmelzer einer Einladung in die USA, wo die Arbeiten über das dielektrische Verhalten von Elektrolyten fortgesetzt wurden. 1939 kehrte Herr Schmelzer nach Deutschland zurück und wurde 1. Assistent von Georg Goubeau am Technisch-Physikalischen Institut der Universität Jena, wo er sich bis Kriegsende mit Physik und Technik der Dezimeterwellen befasste. 1948 ging Herr Schmelzer als Assistent zu Walther Bothe nach Heidelberg, wo er sich 1949 mit einer Arbeit über das dielektrische Verhalten polar aufgebauter Materie habilitierte. Nach Arbeiten in der Optik wandte er sich Beschleunigerproblemen zu. 1952 erschien eine Veröffentlichung mit dem Titel "Über günstige Betriebszustände des Elektronenzyklotrons". Ebenfalls im Jahre 1952 begann eine wichtige Epoche im Leben Herrn Schmelzers und in der Entwicklung von Hochenergiebeschleunigern; er wurde Mitglied der Protonen-Synchrotron-Gruppe, die später den großen Protonenbeschleuniger PS des CERN bei Genf bauen sollte.

Herr Schmelzer war verantwortlich für das Hochfrequenzsystem, die magnetische Führung der Protonen und ihre phasenrichtige Beschleunigung. 1954 wurde er stellvertretender Leiter des Projekts. Mit dem Bau des ersten kybernetisch gesteuerten Beschleunigers wagte er sich in unbekanntes Gebiet vor, und noch kurz vor der Fertigstellung des Beschleunigers zweifelten Experten am Erfolg. Die Situation, bei dem Versuch, das Synchrotron erstmals in Betrieb zu nehmen, schildert Robert Jungk in seinem Buch "Die große Maschine" folgendermaßen: "Kaum war ein Fehler behoben, da machte nun wieder das außerordentlich diffizile, auf Schnellschaltungen von zehntausendstel Sekunden gestimmte Hochfrequenzsystem Schwierigkeiten. Die in Heidelberg entwickelte Methode der kybernetischen "Beam Control", in der die Beschleunigung des Protonenstrahls durch seine eigenen "Rückmeldungen" geregelt wurde, ließen sich einfach nicht zur Räson bringen, und ihr Meister, der sonst so gemütliche Professor Schmelzer, zeigte zum ersten Mal deutliche Zeichen von Nervosität, gegen die nicht einmal sein geliebtes Bier wirkte". Aber kurz darauf klappte alles, die Maschine lief an, die Protonenenergie überschritt den kritischen Bereich der Übergangsenergie mühelos und erreichte 24 GeV bei einer Transmission von 90 %. Dieses historische Ereignis fand am 24. November 1959 statt.

Herr Schmelzer wurde zum Honorarprofessor an der Universität Heidelberg und zum Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften ernannt. 1959 nahm er den Ruf auf den Lehrstuhl für Angewandte Physik in Heidelberg an, nachdem er vorher Rufe nach Hamburg, Würzburg und München abgelehnt hatte. Schon Mitte der fünfziger Jahre war Herr Schmelzer für die Physik, die man mit schnellen schweren Ionen machen könnte, begeistert. Nun griff er diese Ideen erneut auf, und sein Weg zum UNILAC begann. Am 17.12.1969 wurde die GSI gegründet und Herr Schmelzer wurde ihr erster Wissenschaftlicher Geschäftsführer. Unter seiner Führung wurde der Unilac geplant und marschierte die GSI an die Spitze der Schwerionenforschung. Bereits kurz nach der Fertigstellung des UNILAC regte Herr Schmelzer eine Erweiterung der GSI um einen Ringbeschleuniger für höhere Energien an, die in den achtziger Jahren mit der Synchrotron-Speicherring-Kombination SIS/ESR realisiert wurde. Die GSI gehört heute zu den international führenden Zentren der Schwerionenforschung. Professor Schmelzer hat den Grundstein für diese von vielen wissenschaftlichen Erfolgen gekennzeichnete Entwicklung gelegt. Für seine herausragenden Beiträge zur Beschleunigerphysik und zur Wissenschaftslandschaft in Deutschland erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, Ehrendoktorwürden sowie im Jahr 1978 das Bundesverdienstkreuz. Wir verlieren einen warmherzigen und bescheidenen Menschen, der stets für alle Anliegen der GSI-Mitarbeiter offen war. Sein Tod bedeutet den Verlust einer Leitfigur für die wissenschaftliche Forschung. Wir werden Christoph Schmelzer stets in guter und dankbarer Erinnerung behalten.

Die Geschäftsführung


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Professor Dr. Christoph Schmelzer
A. Zschau/GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH