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Darmstadt, June 21, 2011
Quantensprung: Erstmals magnetische Eigenschaft an einem einzelnen Proton direkt beobachtetWichtigste Etappe für die direkte Messung des magnetischen Moments des Protons und seines Antiteilchens erreicht - Materie-Antimaterie-Problem im Fokus
Forschern des GSI Helmholtzzentrums für Schwerionenforschung in
Darmstadt, der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, des
Helmholtz-Instituts Mainz und des Max-Planck-Instituts für Kernphysik in
Heidelberg ist mit einem neuen Messaufbau an der Universität Mainz der
direkte Nachweis von Spin-Quantensprüngen eines einzelnen Protons
gelungen. Das Ergebnis ist ein bahnbrechender Erfolg für die angestrebte
Hochpräzisionsmessung der magnetischen Eigenschaften des Protons. Das
Messprinzip basiert auf der Beobachtung eines einzelnen Protons, das in
einer elektromagnetischen Teilchenfalle gespeichert ist. Das gleiche
Prinzip kann ebenso auf ein einzelnes Antiproton angewendet werden.
Damit ergibt sich die Perspektive, die Frage des
Materie-Antimaterie-Ungleichgewichts im Universum zu lösen. Die genaue
Erforschung von Antimaterie ist deshalb so wichtig, um zu verstehen,
warum sich nach dem Urknall Materie und Antimaterie nicht vollständig
gegenseitig vernichtet haben - letztendlich also, warum das Universum
überhaupt entstehen konnte.
Das Proton besitzt, wie andere
Teilchen auch, einen Eigendrehimpuls, den Spin. Mit dem Spin geht ein
entsprechendes Magnetfeld, das magnetische Moment, einher. Es ist mit
einem winzigen Stabmagneten vergleichbar. Ein Spin-Quantensprung
entspricht dem Umklappen der Magnetpole. Der direkte Nachweis des Spins
an einem einzelnen Proton ist allerdings eine große Herausforderung.
Während beim Elektron und seinem Antiteilchen, dem Positron, bereits in
den 1980er Jahren die Spins und damit die magnetischen Momente gemessen
und verglichen wurden, ist dies bei einem Proton bislang nicht gelungen.
Bisher konnten Wissenschaftler den Protonenspin nur indirekt in
Teilchenensembles bestimmen.
Die besondere Schwierigkeit liegt
darin, dass das magnetische Moment des Protons etwa 660-mal kleiner ist
als das des Elektrons. Das Mess-Signal ist also wesentlich schwächer.
Die Forscherkollaboration hat in siebenjährigen Vorarbeiten ein
Präzisionsexperiment entwickelt, das nun die Feuerprobe bestanden hat.
Damit
ist der Weg frei für direkte Hochpräzisionsmessungen des magnetischen
Moments sowohl eines Protons als auch eines Antiprotons - Letztere dann
voraussichtlich am CERN, dem europäischen Labor für Teilchenphysik in
Genf, oder am geplanten Forschungszentrum FAIR bei GSI in Darmstadt. Das
magnetische Moment des Antiprotons ist gegenwärtig lediglich auf drei
Nachkommastellen bekannt. Die in den Mainzer Labors angewandte
Messmethode stellt eine millionenfache Verbesserung der Messgenauigkeit
in Aussicht. Dies ermöglicht einen hochempfindlichen Test der
CPT-Symmetrie, welche für das physikalische Weltbild fundamental ist.
Die erstmalige Beobachtung von Spin-Quantensprüngen eines einzelnen
Protons ist ein Durchbruch auf dem Weg zu diesem großen Ziel.
Die
Materie-Antimaterie-Symmetrie ist einer der wichtigsten Grundpfeiler
des Standardmodells der Elementarteilchenphysik. Nach diesem Modell
verhalten sich Teilchen und Antiteilchen nach simultaner Anwendung von
Ladungsumkehr, Ortsspiegelung und Zeitumkehr - als CPT-Transformation
bezeichnet - identisch. Hochpräzise Vergleiche der fundamentalen
Eigenschaften von Teilchen und Antiteilchen ermöglichen den
empfindlichen Test dieses Symmetrieverhaltens und geben Hinweise auf
eine Physik jenseits des Standardmodells. Die Messung einer Abweichung
der magnetischen Momente von Proton und Antiproton würde das Fenster zu
dieser "neuen Physik" öffnen.
Originalveröffentlichung: S. Ulmer, C.C. Rodegheri, K. Blaum, H. Kracke, A. Mooser, W. Quint, J. Walz Observation of Spin Flips with a Single Trapped Proton, Phys. Rev. Lett. 106, 253001 (2011)
Link zur wissenschaftlichen Veröffentlichung in 'Physical Review Letters': http://link.aps.org/doi/10.1103/PhysRevLett.106.253001
Die Arbeit wird außerdem von American Physical Society als Viewpoint vorgestellt unter: http://physics.aps.org/pdf/Physics.4.49.pdf
GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH
Planckstr. 1
64291 Darmstadt
Germany
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Contact: Dr. Ingo Peter
Fon: +49-6159-71-2598
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