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Darmstadt, den 14. April 2008
Strahlenrisiken für Astronauten bei Weltraumflügen zum Mars
Neues Forschungsprojekt an der GSI
Die Beschleunigeranlage der GSI wurde von der European Space Agency, ESA, ausgewählt, um die
Strahlenrisiken für Astronauten auf Marsmissionen zu erforschen. Der Grund ist, dass sich in Europa nur an der GSI-Beschleunigeranlage
Ionenstrahlen genau so erzeugen lassen, wie sie im Weltraum auftreten. Forscherinnen und Forscher aus ganz Europa sind aufgerufen, die
Wirkung der Ionenstrahlen auf das menschliche Erbgut zu untersuchen und somit die Risiken von bemannten Raumflügen zu ermitteln. Die ersten
Experimente sollen schon in diesem Jahr anlaufen und werden später an der geplanten Beschleunigeranlage FAIR an der GSI fortgesetzt.
Astronauten sind auf Weltraumflügen permanent kosmischer Strahlung ausgesetzt. Diese Strahlung tritt zum größten Teil nicht auf der Erde auf,
da sie vom Erdmagnetfeld und der Atmosphäre abgeschirmt wird. Es ist bekannt, dass Strahlung menschliche Zellen und deren Erbgut schädigen
kann. Dadurch kann Krebs entstehen oder es sterben Zellen ab, was zum Beispiel im Gehirn oder in den Augen zu erheblichen Spätschäden
führen kann. Die genauen Gesundheitsrisiken, die sich durch Strahlung auf bemannten Weltraumflügen zum Mond oder Mars ergeben, sind bisher
zu wenig bekannt.
Ziel der für die ESA an der GSI geplanten Forschungen ist es, die biologische Wirkung speziell von Ionenstrahlen auf das menschliche Erbgut
und deren Langzeitwirkung quantitativ zu untersuchen. Es ist geplant, Moleküle, Zell- sowie Gewebeproben zu bestrahlen. Aufbauend auf den
Forschungsergebnissen können optimale Abschirmungen zum Einsatz in der Raumfahrt entwickelt werden. Dies ist eine Grundvoraussetzung für
die Durchführung sicherer Marsmissionen.
Die im Weltraum auftretenden Ionenstrahlen sind äußerst vielfältig. Es können Ionen von allen Elementen auftreten, das heißt vom Wasserstoff,
dem leichtesten, bis zum Uran, dem schwersten. Die Beschleunigeranlage der GSI ist die einzige in Europa mit der alle im Weltraum
auftretenden Ionenstrahlen hergestellt werden können. Sie eignet sich deshalb besonders für das geplante Forschungsvorhaben. An der
zukünftigen Beschleunigeranlage FAIR werden die Möglichkeiten erheblich erweitert, weil dort Ionenstrahlen mit noch höheren Energien und
Intensitäten hergestellt werden können.
Im Weltraum treten unterschiedliche Strahlungsarten auf, neben Ionenstrahlen sind dies zum Beispiel elektromagnetische Strahlung oder
Neutrinostrahlung. Ionenstrahlen besitzen die mit Abstand höchste biologische Wirkung. Sie sind dementsprechend die wichtigste und
entscheidende zu untersuchende Strahlungsart, um Gesundheitsrisiken für bemannte Weltraumflüge zu ermitteln
Forscherinnen und Forscher wurden bereits aufgerufen, Vorschläge für Experimente einzureichen. Die ersten Anträge werden im Mai begutachtet.
Die Begutachtung übernimmt ein Programm-Komitee ("Biophysics & Radio-Biology Program Advisory Committee"), das mit internationalen
Spitzenwissenschaftlern besetzt ist. Die ersten Experimente könnten schon Ende dieses Jahres durchgeführt werden.
Mikroskop-Aufnahmen
von Zellkernen, die mit Ionenstrahlen an der GSI beschossen wurden. Die Einschussstellen einzelner Ionen sind mit einem speziellen
Verfahren sichtbar gemacht und als helle Punkte zu erkennen. (Quelle: GSI)
Das Bild zum Download:
Blick in den 120 Meter
langen Vorbeschleuniger UNILAC an der GSI, der zur Erzeugung der Ionenstrahlen verwendet wird (Foto: G. Otto)
Das Bild zum Download:
Gesellschaft für Schwerionenforschung
Planckstr. 1
64291 Darmstadt
Öffentlichkeitsarbeit
Kontakt: Dr. Ingo Peter
Tel: 06159-71-2598
Fax: 06159-71-2991
Email: presse@gsi.de
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