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Darmstadt, den 11. Mai 2004
Grundsteinlegung für den Bau einer Klinikanlage
zur Krebstherapie mit schweren Ionen
Am
12. Mai 2004 findet die Grundsteinlegung für den Bau einer neuartigen
Klinikanlage zur Krebsbehandlung mit schweren Ionenstrahlen in
Heidelberg statt. Dieses Ereignis ist ein entscheidender Schritt vom
Pilotprojekt bei der Gesellschaft für Schwerionenforschung (GSI) in
Richtung klinische Nutzung der Therapie. Damit kann in Zukunft eine
große Zahl von Patienten mit inoperablen Tumoren von dieser Behandlung
profitieren.
Die Klinikanlage entsteht auf
dem Gelände der Radiologischen Universitätsklinik in Heidelberg und
wird voraussichtlich 2007 mit dem Patientenbetrieb beginnen. Jährlich
können dort 1000 Patienten mit schweren Ionen bestrahlt werden. Die
Kosten für die Errichtung der Klinik von 72 Millionen Euro werden zu
gleichen Teilen vom Bund und der Radiologischen Universitätsklinik
getragen.
Für den Bau und die Inbetriebnahme der Bestrahlungstechnik ist
die GSI verantwortlich. Zum einen ist das die Beschleunigeranlage,
bestehend aus einem 5 Meter langen Linearbeschleuniger und einem daran
anschließenden Ringbeschleuniger (Synchrotron) mit 20 Metern
Durchmesser, die die benötigten Kohlenstoff-Ionen auf bis zu 50 Prozent
der Lichtgeschwindigkeit beschleunigt. Zum anderen sind dies drei
Bestrahlungsplätze, die sich dadurch auszeichnen, dass der weltweit
einmalige Rasterscanner den beschleunigten Ionenstrahl millimetergenau
und dreidimensional über jedes beliebig geformte Tumorvolumen rastert
(das so genannte intensitätsgesteuerte Rasterscanverfahren). Zwei
Bestrahlungsplätze entstehen mit horizontaler Strahlführung, ähnlich
wie der zurzeit bei der GSI eingesetzte, an dem hauptsächlich Patienten
mit Kopftumoren behandelt werden. Ein weiterer erhält eine um den
Patienten drehbare Strahlführung, mit der Tumoren auch in anderen
Körperregionen, wie zum Beispiel dem Rumpfbereich, zugänglich werden.
Für diese weltweit erste scannende Gantry für schwere Ionen wurde ein
Teil des Prototyps bei GSI erfolgreich erprobt.
Die Therapie mit Ionenstrahlen bei der GSI ist gemeinsam von GSI, dem
Deutschen Krebsforschungszentrum, dem Universitätsklinikum Heidelberg
und dem Forschungszentrum Rossendorf entwickelt worden. Basierend auf
den langjährigen physikalischen, biologischen und technischen
Vorarbeiten der GSI haben die Kooperationspartner in einem Pilotprojekt
eine medizinische Bestrahlungseinheit an der Beschleunigeranlage der
GSI in Darmstadt aufgebaut. Nach vierjähriger Bauzeit konnte dort 1997
mit der Bestrahlung der ersten Patienten begonnen werden. Bisher sind
in Darmstadt mit dieser Methode über 200 Patienten mit inoperablen
Tumoren im Kopf-, Hals- und Hüftbereich mit sehr großem Erfolg
behandelt worden. Auch in Zukunft werden Patienten bei der GSI
bestrahlt – mindestens so lange, bis die neue Klinikanlage in
Heidelberg in Betrieb geht.
Die Therapie mit Ionenstrahlen zeichnet sich einerseits durch
sehr hohe Heilungsraten von über 90 Prozent aus. Andererseits sind die
beobachteten Nebenwirkungen äußerst gering. Nur in Einzelfällen wurden
leichte Hautrötungen oder leichte Schleimhautreizungen festgestellt.
Der Grund liegt in der hohen biologischen Wirkung von Ionenstrahlen und
ihrem günstigen Dosisprofil, das eine hohe Dosis am Ende ihrer
Reichweite aufweist. Über eine Beschleunigeranlage werden die Ionen auf
eine sehr hohe Geschwindigkeit gebracht und in den Tumor geschossen.
Der Rasterscanner erlaubt die punktgenaue Bestrahlung komplex geformter
Tumore, auch in der Nähe von Risikoorganen, wie zum Beispiel dem
Hirnstamm oder dem Sehnerv. So werden den Tumorzellen irreparable
Schäden zugefügt und gleichzeitig das umliegende gesunde Gewebe stark
geschont. Die Patienten kommen in der Regel zur ambulanten Behandlung;
ein stationärer Aufenthalt im Krankenhaus ist nur in Ausnahmefällen
nötig.
Weltweit gibt es nur noch zwei weitere Einrichtungen für die Therapie
mit Ionenstrahlen in Japan. Die Bestrahlungstechnik unterscheidet sich
erheblich von der bei der GSI und in der neuen Klinikanlage. Das
intensitätsgesteuerte Rasterscanverfahren wird dort nicht eingesetzt,
was zu einer höheren Belastung des gesunden Gewebes und zu stärkeren
Nebenwirkungen bei den Patienten führt.
Nach über zwanzig Jahren physikalischer und biologischer
Grundlagenforschung am Ionenbeschleuniger der GSI und einem erfolgreich
durchgeführten Pilotprojekt wird nun mit dem Bau der Klinikanlage ein
wichtiger Schritt vollzogen, um ein Ergebnis aus der
Grundlagenforschung in eine breite Routine-Anwendung zu überführen.
Schätzungen zufolge könnten allein in Deutschland jährlich etwa 10.000
Patienten von dieser Therapieform profitieren.
Firmenprofil: Die
Gesellschaft für Schwerionenforschung (GSI) in Darmstadt ist ein vom
Bund und dem Land Hessen finanziertes Forschungszentrum der
Grundlagenforschung. Der Bau und Betrieb von Beschleunigeranlagen sowie
die Forschung mit schweren Ionen sind Aufgabe der rund 850 Mitarbeiter.
Jährlich kommen über 1.000 Wissenschaftler denen die GSI, ihrer Aufgabe
entsprechend, den Zugang zur ihren Forschungsanlagen ermöglicht. Die
GSI verfügt über eine hervorragende und weltweit einmalig
Beschleunigeranlage für Ionenstrahlen. Das Forschungsprogramm der GSI
umfasst ein breites Spektrum, das von Kern- und Atomphysik über die
Plasma- und Materialforschung bis hin zur Tumortherapie reicht. Die
wohl bekanntesten Resultate sind die Entdeckung von sechs neuen
chemischen Elementen mit den Ordnungszahlen 107 - 112 und die
Entwicklung einer neuartigen Tumortherapie mit Ionenstrahlen. Mit
diesen und einer Vielzahl anderer wissenschaftlicher Resultate nimmt
die GSI eine international führende Position in der Forschung mit
Ionenstrahlen ein. Bis 2012 soll bei GSI ein neues internationales
Beschleunigerzentrum für die Forschung mit Ionen- und
Antiprotonenstrahlen entstehen. Dort sollen grundlegende bisher
ungelöste Fragen vom Aufbau der Materie und der Entwicklung des
Universums beantwortet werden.
 Das Bild zeigt ein Modell der geplanten Schwerionenklinik in Heidelberg. Modell: Nickl & Partner, Architekten GmbH
Bildmaterial: 72dpi-Download - JPG |
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 Grundriss
der geplanten 60 m x 70 m großen Klinikanlage in Heidelberg. Die Anlage
besteht aus einem Linearbeschleuniger und einem Ringbeschleuniger, an
den sich drei Behandlungsräume anschließen. Bildmaterial: 72dpi-Download - JPG 150dpi-Download - JPG |
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Das
Bild zeigt den Behandlungsplatz am Beschleuniger der GSI, an dem die
klinischen Studien zur Tumortherapie mit schweren Ionen durchgeführt
werden. Um den Tumor exakt zu bestrahlen, wird der Kopf des Patienten
mit Hilfe einer Maske fixiert.
Bildmaterial: 72dpi-Download - JPG 300dpi-Download - JPG Foto: A. Zschau, GSI |
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Eine
präzise Bestrahlung komplex geformter Tumoren erlaubt das bei GSI
entwickelte und erstmals in der Strahlentherapie eingesetzte
Rasterscanverfahren. Der Schwerionenstrahl wird mit Hilfe von
Magnetfeldern seitlich abgelenkt und die Eindringtiefe über die Energie
der Ionen von Puls zu Puls eingestellt. Zur Intensitätsregelung
verweilt der Strahl so lange auf jedem Punkt, bis die berechnete
Solldosis erreicht ist. Es stellt eine erhebliche Verbesserung im
Vergleich zu herkömmlichen Bestrahlungsmethoden dar.
Videomaterial: Download der Animation - MPEG Animation: GSI |
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Weitere Informationen unter: www.gsi.de
Gesellschaft für Schwerionenforschung Planckstr. 1 64291 Darmstadt Öffentlichkeitsarbeit Kontakt: Dr. Ingo Peter Tel: 06159-71-2598 Fax: 06159-71-2991 Email: presse@gsi.de
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