Darmstadt, den 11. Februar 2010
Auf dem Weg zur Entdeckung neuer langlebiger ElementeErstmalig Einsatz von "Ionen-Fallen" zur Untersuchung von schwersten Elementen
Neben den auf der Erde natürlich vorkommenden 92 Elementen ist es Wissenschaftlern gelungen, noch über 20 weitere chemische Elemente zu entdecken. Sechs davon wurden beim GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt entdeckt. Sie konnten künstlich an Teilchenbeschleunigern hergestellt werden. Die künstlichen Elemente sind alle sehr kurzlebig, das heißt sie zerfallen nach Bruchteilen von Sekunden. Wissenschaftler sagen jedoch noch schwerere Elemente voraus, die sehr langlebig sind, das heißt möglicherweise erst nach mehreren Jahren zerfallen. Sie werden als Insel der Stabilität bezeichnet. Am GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt haben Wissenschaftler nun eine Messapparatur entwickelt und aufgebaut, mit der die Entdeckung solcher langlebiger Elemente erstmals möglich werden könnte. Dies berichtet die renommierte naturwissenschaftliche Fachzeitschrift Nature.
Einem internationalen Team von Wissenschaftlern um Michael
Block gelang es, Atome des Elements 102, Nobelium, und damit erstmals überhaupt
ein so genanntes superschweres Element in einer Ionen-Falle einzufangen.
Dadurch konnten sie die Masse von Nobelium-Atomen mit nie dagewesener
Genauigkeit messen. Die Masse ist eine grundlegende Eigenschaft von Atomen, aus
der sich unmittelbar die Bindungsenergie, die das Atom zusammenhält, berechnen
lässt. Daraus wiederum lässt sich seine Lebensdauer bzw. Stabilität ermitteln.
Der eigentliche Zerfall muss nicht wie bei früheren Methoden abgewartet werden.
Deshalb können in einer Ionen-Falle Elemente mit extrem langen Lebensdauern
nachgewiesen werden. Auf längere Sicht erhoffen sich die Wissenschaftler bis
zur Insel der Stabilität, die im Bereich um die Elemente 114 bis 120 vermutet
wird, vorzudringen.
"Die präzise Messung der Masse von Nobelium mit unserem
neuen Messaufbau Shiptrap war ein erster erfolgreicher Schritt. Unser Ziel ist
es nun, den Messaufbau weiter zu verfeinern, sodass wir zu immer schwereren
Elementen vorstoßen können, um vielleicht eines Tages die Insel der Stabilität
zu erreichen", sagt Michael Block, der Leiter der Experimentiergruppe am
GSI Helmholtzzentrum.
Für seine Messungen baute das Team um Michael Block eine
komplexe Apparatur, die Ionen-Falle Shiptrap, auf und kombinierte sie mit dem
Geschwindigkeitsfilter Ship, mit dem bei GSI bereits sechs kurzlebige Elemente
entdeckt werden konnten. Das Nobelium erzeugten sie, indem sie eine Blei-Folie
mit Kalzium-Ionen aus dem GSI-Beschleuniger beschossen. Danach trennten sie das
erzeugte Nobelium mit Ship von anderen Reaktionsprodukten ab. In der
Shiptrap-Apparatur wurde das Nobelium zuerst in einer mit Gas gefüllten Zelle
abgebremst und anschließend in einer so genannten Penning-Falle als Ion eingefangen.
Durch Magnetfelder in der Falle gehalten, kreiste das Nobelium-Ion auf einer winzigen
Spiralbahn mit einer bestimmten Frequenz, aus der sich direkt die Masse berechnen
ließ. Die Messungenauigkeit lag bei nur fünf Millionstel
Prozent. Die Masse und damit die Bindungsenergie kann somit viel genauer
als bisher und erstmals direkt, also ohne Zuhilfenahme von theoretischen
Annahmen, bestimmt werden.
An den Experimenten beteiligt waren neben GSI das
Max-Planck-Institut für Kernphysik Heidelberg, die Universitäten Gießen,
Greifswald, Heidelberg, Mainz, München, Padua (Italien), Jyväskylä (Finnland)
und Granada (Spanien) sowie das PNPI (Petersburg Nuclear Physics Institute) und
das JINR (Joint Institute for Nuclear Research) in Russland.
Link zur wissenschaftlichen Veröffentlichung: www.nature.com/nature/journal/v463/n7282/full/nature08774.html
Link zur populärwissenschaftlichen Zusammenfassung (englisch): www.nature.com/nature/journal/v463/n7282/full/463740a.html
 Download des Bildmaterials: 300dpi
72dpi
Bild: G. Otto, GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung
Michael Block, der Leiter der
Experimentiergruppe am GSI, am Messaufbau, der Ionenfalle Shiptrap.
Dort wurde mit nie da gewesener Genauigkeit die Masse von Element 102,
Nobelium, gemessen und damit erstmals von einem superschweren Element
überhaupt.
 Download des Bildmaterials: 300dpi
72dpi
Bild: G. Otto, GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung
Das Bild zeigt die Penning-Falle des Shiptrap-Experiments.
Durch ein parallel zum Rohr angelegtes Magnetfeld werden die einfliegenden
Ionen auf eine Spiralbahn im Rohr gezwungen, anhand deren Frequenz die Masse
bestimmt werden kann. Die Falle befindet sich im weißen Tank aus Bild 1.
GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH
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64291 Darmstadt
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