| GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH, Darmstadt |
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Geschichte des GSI - Ein Forschungslabor für alle
Kernphysiker der drei hessischen Universitäten Darmstadt, Frankfurt und Marburg gaben 1966 den Anstoß: Mit dem Ziel wissenschaftliches Neuland zu erschließen, gründeten sie die „Kernphysikalische Arbeitsgemeinschaft Hessen“ (KAH). In Hessen sollte eine universitätsnahe Forschungsanlage für Schwerionenforschung entstehen, offen für alle Forscher mit guten Ideen. Später schlossen sich die Universitäten Gießen, Heidelberg und Mainz der KAH an.
Bereits seit Beginn der 1960er Jahre arbeitete Professor Dr. Christoph Schmelzer von der Universität Heidelberg am Konzept eines Linearbeschleunigers für schwere Ionen, UNILAC, für Projektile aller Elemente bis hoch zum Uran. „Die Symbiose der hessischen Zielsetzungen für das Labor und dieses leistungsfähigen Beschleunigers betrachtete ich als Glücksfall. Gemeinsam wurde in den folgenden Jahren ein Konzept für ein Beschleunigerlabor entwickelt“, so Bock. Zur Finanzierung musste forschungspolitische Überzeugungsarbeit geleistet werden. Im Jahr 1969 konnten sich das Bundesforschungsministerium in Bonn und das hessische Kultusministerium nach dreijährigen Diskussionen mit den Wissenschaftlern und Beraterkommissionen über Finanzierung des Projekts, Konzept, Ausstattung und Standort der neuen Forschungsanlage einigen. Gründungsdatum war der 17. Dezember 1969. Die Bauzeit betrug fünf Jahre. Die Gebäudeplanung folgte einem neuen Konzept, das die interdisziplinäre Zusammenarbeit stärken sollte. „Wir wollten keine abgegrenzten Institute, keine Königreiche, sondern eine kommunikationsfördernde variable Belegung und Durchmischung von Betreibern und Nutzern“, sagt Bock schmunzelnd. Die Baukosten lagen bei etwa 180 Millionen DM, die zu 80 Prozent vom Bund und zu 20 Prozent vom Land Hessen finanziert wurden. Hessens Ministerpräsident Georg August Zinn hatte einen erhöhten Landesanteil anstatt der üblichen 10 Prozent zugesagt. Dies ermöglichte den Bau von GSI in Hessen anstatt beim Mitbewerber, dem Kernforschungszentrum Karlsruhe. Die ersten Schwerionen beschleunigte der UNILAC 1975, damit starteten die neuen Experimentiereinrichtungen schnell ihren Betrieb. Mit neu entwickelten Apparaten und Verfahren gewannen die GSI-Forscher Wissen über Reaktionsmechanismen von Atomkernen, über deren Hochspin-Zustände, über neutronen- und protonenreiche Kerne, sowie über Atome ohne Elektronenhülle. Ein großer Erfolg waren die Entdeckungen der Elemente 107 bis 112. Die Wissenschaftler ließen sich von einer übergeordneten Frage leiten: Wo liegen die Grenzen der Stabilität der nuklearen Welt? Schon sehr frühzeitig entstand ein großes Interesse an Ionenstrahlen mit wesentlich höheren Energien, dem sogenannten relativistischen Energiebereich. Einerseits waren diese hohen Energien für eine Tumortherapie unentbehrlich, andererseits eröffneten sich völlig neue Perspektiven für eine Physik der Kernmaterie, ihre Zustandsgleichung und eventuelle Phasenü̈bergänge. Im Hinblick auf eine spätere GSI-Erweiterung wurde deshalb schon 1974 eine Zusammenarbeit mit dem Forschungszentrum LBNL im kalifornischen Berkeley in die Wege geleitet, wo GSI-Wissenschaftler solche Experimente am BEVALAC-Beschleuniger durchführten. Der Erfolg dieser Pioniertruppe bewog GSI Anfang der 1980er Jahre zum Bau eines Ringbeschleunigers, des Schwerionensynchrotrons SIS-18. Zusätzlich wurden ein Fragmentseparator und der Speichering ESR für schwere Ionen gebaut – Novitäten, die die Experimentiermöglichkeiten von GSI beträchtlich ergänzten und erweiterten. Die Kombination von UNILAC und SIS-18 ermöglichte ab 1997 die erfolgreiche Behandlung von Patienten mit Krebstumoren durch Bestrahlung mit Kohlenstoff-Ionen. Mithilfe des Fragmentseparators und des Speicherrings konnten Hunderte neuer Nuklide erzeugt und untersucht werden. Die Entdeckung dreier neuer radioaktiver Zerfallsarten ist nur ein weiteres Beispiel für herausragende Forschungsergebnisse. Zur Erforschung des Quark-Gluon-Plasmas, eines Zustands von Kernmaterie bei extremer Dichte und Temperatur, initiierte GSI das Schwerionenprogramm am europäischen Kernforschungszentrum CERN. Dort bauten sie den Schwerionen-Injektor mit auf, der bis heute ein einmaliges Experimentierprogramm ermöglicht. Beim ALICE-Experiment am neuen CERN-Beschleuniger LHC spielte GSI von Anfang an eine führende Rolle. Doch auch in Darmstadt geht die Entwicklung weiter: Bald soll auf dem GSI-Gelände der Bau des neuen internationalen Teilchenbeschleunigers FAIR in Kooperation mit 16 Partnerländern beginnen. FAIR liefert Antiprotonen- und Ionenstrahlen mit bisher unerreichter Intensität und Qualität. Forscher aus aller Welt erwarten sich neue Einblicke in den Aufbau der Materie und die Entwicklung des Universums, vom Urknall bis heute.
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| Letzte Änderung: 17. Feb. 2011 von admin1 |