|
           
| |
GSI-Nachrichten 02-1999
Inhalt
Download der vollständigen Artikel als PDF-Dateien - deutsche Version
Download der vollständigen Artikel als PDF-Dateien - englische Version
Der 1s Grundzustand in pionischen Bleiatomen
Pionische Atome
sind exotische Systeme, in denen sich ein negativ geladenes Pion in
einem atomartigen Orbital bewegt. Verglichen mit Elektronenorbitalen
besitzen pionische Orbitale jedoch einen fast 300mal kleineren Radius,
was im wesentlichen eine Folge des großen Massenunterschieds der beiden
Teilchen ist. Das führt dazu, daß in schweren Atomen mit hoher
Kernladung und vergleichsweise großen Kernradien die energetisch
tiefliegenden pionischen Zustände stark mit dem Kernvolumen überlappen.
Mithin spüren die Pionen in diesen tiefliegenden Zuständen nicht nur
die langreichweitige Coulombkraft, sondern auch die kurzreichweitige
Kernkraft. Hierin liegt der wissenschaftlich interessante Aspekt dieser
exotischen Systeme: Tiefliegende pionische Zustände in schweren Atomen
erlauben den Teilchen- und Kernphysikern einen genauen Einblick in die
Wechselwirkung von Pionen mit dem Kern, insbesondere in das s-Wellen
Pion-Kern-Potential.
Mehr...

Über
die Transferreaktion 206Pb (d,3He) 205PbXp- werden die tiefliegenden
pionischen Zustände besetzt und identifiziert. Die pionische Reaktion
findet an einem Neutron des 206Pb statt, das als Proton an das
d-Projektil zur Bildung von 3He transferiert wird, während das
entstehende negative Pion in einem quasistabilen tiefliegenden Zustand
verbleibt.
Ist 19C ein Halokern?
Die Untersuchung
exotischer Kerne mit extremem Neutronenüberschuß im Vergleich zu den
stabilen Isotopen gehört zu den aktuellen Themen der
Kernstrukturphysik. Insbesondere leichte neutronenreiche Kerne wie 11Li
und 11Be zeigen überaus interessante Phänomene wie die Bildung eines
weit ausgedehnten Neutronenschleiers - eines sogenannten Halos - um den
als Core bezeichneten Restkern. Laut theoretischen Überlegungen sollten
solche Halostrukturen auch bei schwereren Kernen vorkommen können. Ein
besonders interessanter Kern ist 19C, für den die Bildung eines
Ein-Neutron-Halos um den 18C-Restkern angenommen wird. Kürzlich am
Fragmentseparator der GSI durchgeführte Experimente unterstützen diese
Annahme.
Mehr...
Ein-Neutron-Separationsquerschnitt
für 19C und 12C. Gezeigt ist die Impulsverteilung der 18C Fragmente
nach Aufbruch von 19C (grün) und der 11C Fragmente nach Aufbruch von
12C (gelb). Die um einen Faktor drei schmalere Impulsverteilung der 18C
Fragmente unterstüstzt die Annahme einer Halostruktur von 19C. Die
gestichelten Linien geben die jeweiligen Halbwertsbreite der
Impulsverteilungen wieder.
Flüchtige Linien
Anfang der
achtziger Jahre waren von den GSI Gruppen ORANGE und EPOS bei
Untersuchungen der e+- und e+e--Emission in zentralen Kollisionen sehr
schwerer Ionen Linienstrukturen in den gemessenen Spektren beobachtet
worden. Für diese bei Einschußenergien nahe der Coulombschwelle
gefundenen Linien ließ sich keine konventionelle Erklärung finden. Sie
wurden lange Zeit im Zusammenhang mit neuen, bislang unentdeckten
Phänomenen diskutiert, anfangs als Signatur spontaner Emission in den
kurzzeitig erzeugten überkritischen elektrischen Feldern und später als
Folge des Leptonenpaar-Zerfalls eines bisher unbekannten neutralen
Teilchens. Mit dem Ziel, die Herkunft der Linien zu klären, wurde in
den Jahren 1993 bis 1995 mit erheblich verbesserten Apparaturen eine
neue Generation von e+e--Experimenten durchgeführt. Dabei konnten die
früher beobachteten Linien nicht reproduziert werden.
Mehr...

Aufbau
der Spektrometer ORANGE (oben) und EPOS II (unten). Beide Apparaturen
nutzen ortsauflösende Parallelplatten-Lawinenzähler, um die gestreuten
Schwerionen nachzuweisen. Um emittierte Positronen und e+e--Paare zu
spektroskopieren, müssen diese in einem um viele Größenordnungen
intensiveren Untergrund aus g-Strahlung und d-Elektronen eindeutig
identifiziert werden. Die Spektrometer nutzen hierzu die Ablenkung der
geladenen Leptonen im Magnetfeld, um diese zunächst aus der Region
intensiver g-Strahlung in unmittelbarer Targetumgebung
herauszutransportieren. Beim ORANGE-Spektrometer geschieht dies durch
zwei toroidale Magnetfelder, bei EPOS durch ein solenoidales Magnetfeld.
Transmutation und Inzineration radioaktiver Abfälle
Beschleunigergetriebene
unterkritische Reaktorsysteme, sogenannte Hybridreaktoren, könnten
einen Ausweg aus den Problemen der Lagerung langlebigen radioaktiven
Abfalls aufzeigen. Durch nukleare Transmutation lassen sich langlebige
Spaltprodukte in kürzerlebige oder stabile Isotope umwandeln. Über
Inzineration können die in der Reaktortechnik gebildeten Transurane
eingeäschert, das heißt in leichtere Elemente und Isotope gespalten
werden. Auf diese Weise ließen sich im Prinzip auch die vielen tausend
Tonnen Plutonium aus der zivilen und militärischen Kerntechnik
beseitigen. Die GSI trägt dazu bei, grundlegende Daten für die
Inzineration solcher langlebiger Isotope zu beschaffen. Mehr...

Prinzip
des Inzinerators zur Einäscherung langlebiger radioaktiver Isotope. Ein
Beschleuniger erzeugt einen intensiven (50 mA) Protonenstrahl mit 1 GeV
Energie, der in einem Bleitarget Spallationsneutronen freisetzt. Diese
steuern die Neutronenbilanz in einem unterkritischen Reaktor. Der
Reaktor wird im Thorium-Uran Zyklus betrieben und kann alle Transurane
einschließlich Waffenplutonium 239Pu, sowie langlebige Spaltprodukte
einäschern.
Ein neues Spektrometer für Präzisionstests der Quantenelektrodynamik
Zu den zentralen
Themen des atomphysikalischen Programms der GSI gehören Präzisionstests
der Quantenelektrodynamik (QED) in starken elektrischen und
magnetischen Feldern. Ein Großteil der Experimente konzentriert sich
auf die Röntgenspektroskopie von wasserstoffähnlichen schweren Ionen,
wie z.B. U91+, am Experimentierspeicherring ESR. In den vergangenen
Jahren ist es bei der GSI gelungen, die QED-Beiträge zur
1s-Grundzustandsenergie von U91+ mit einer Genauigkeit von etwa 12 eV
zu bestimmen. Für einen kritischen Test der QED muß die Genauigkeit
jedoch noch weiter auf etwa 1 eV gesteigert werden. Um dieses
ehrgeizige Ziel zu erreichen, wird gegenwärtig am ESR ein
Kristallspektrometer aufgebaut, das für Röntgenenergien im Bereich
50-100 keV optimiert ist. Dies entspricht Wellenlängen zwischen 25 und
12 Picometern. Das Vorhaben wird gemeinsam mit den Universitäten Jena
und Siegen sowie dem Forschungszentrum Jülich durchgeführt. Mehr...
 =""> Schematischer
Aufbau des Spektrometers. Die Röntgenquanten werden aus der
Wechselwirkungszone des Ionenstrahls mit dem Gasjet emittiert und durch
einen zylindrisch geformten Siliziumkristall auf positionsempfindliche
Detektoren Bragg-reflektiert. Durch Messung der Wellenlängendifferenz
zur bekannten Spektrallinie einer Eichquelle kann die Röntgenenergie
mit hoher Genauigkeit bestimmt werden.
|
|