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  GSI-Nachrichten 03-1997

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IUPAC verabschiedet Namen für schwere Elemente

GSI-Vorschläge für die Elemente 107 bis 109 akzeptiert

Traditionsgemäss dürfen die Entdecker eines neuen chemischen Elementes dieses auch benennen. Bei den sehr schweren, künstlich erzeugten Elementen jenseits der Ordnungszahl 100 gab es insbesondere zwischen Forschergruppen aus Berkeley in Kalifornien und aus Dubna bei Moskau Diskussionen um die Priorität der Entdeckung. Dadurch existierten zum Teil verschiedene Namensvorschläge für ein und dasselbe Element.

Mit dem Ziel, eine allgemein akzeptierte Benennung der Elemente mit den Ordnungszahlen 101 bis 109 zu erreichen, befasste sich eine internationale Arbeitsgruppe - die Transfermium Working Group - in den Jahren 1986 bis 1992 zunächst mit der Prioritätsfrage. Dies geschah im Auftrag der beiden internationalen Vereinigungen für reine und angewandte Chemie und Physik (IUPAC und IUPAP).

Nach einer kritischen Bewertung der Elemententdeckungen der letzten 30 Jahre hat die Transfermium Working Group den Forschern der GSI um Peter Armbruster, Gottfried Münzenberg und Sigurd Hofmann eindeutig die Entdeckung der Elemente mit den Ordnungszahlen 107, 108 und 109 zugesprochen, die in den Jahren 1981 bis 1984 erstmals nachgewiesen wurden. Daraufhin haben die Wissenschaftler der GSI im September 1992 ihre Namensvorschläge für diese Elemente bei der IUPAC eingereicht. Mehr...



Blick in die Wideroe-Struktur des UNILAC





Cherenkov-Detektoren identifizieren schwere Ionen
Der Einsatz von Cherenkov-Detektoren gestattet eine besonders effiziente Identifikation radioaktiver Kerne am Fragmentseparator der GSI. Das neue Verfahren wurde von einer Gruppe der TU München entwickelt und vor kurzem erfolgreich erprobt. Am Fragmentseparator (FRS) der GSI wird die Methode der Projektilfragmentation und Coulombspaltung sehr erfolgreich eingesetzt, um kurzlebige radioaktive Kerne zu erzeugen und für weitere Experimente als Sekundärstrahl zur Verfügung zu stellen. Mehr...



Die Abbildung zeigt die typische ringförmige Intensitätsverteilung des Lichtes, die von einem einzelnen Fragment produziert wurde, das den Radiator des RICH-Detektors mit der Geschwindigkeit v/c = 0,845 durchquert hat.




Erzeugung intensiver Strahlpulse im SIS ermöglicht Fortschritte in der Plasmaphysik

Hydrodynamische Expansion für ein Bleitarget beobachtet

Vor kurzem haben die Beschleunigerphysiker der GSI einen neuen Beschleunigungsmodus für das Synchrotron erprobt, der der Plasmaphysik erheblich bessere Experimentiermöglichkeiten eröffnen wird. Dabei wurden die im SIS beschleunigten Ionenpakete zu einem intensiven 'Bunch' mit einer Pulslänge von etwa 250 Nanosekunden umgeformt.

Nach Beschuss dünner Bleiplättchen mit diesen komprimierten Ionenpaketen konnte erstmals für ein metallisches Target hydrodynamische Expansion beobachtet werden. Im Inneren des Bleiplättchens wurden Temperaturen von mehreren Tausend Kelvin und Drücke von einigen Hundert Kilobar erreicht, was einer Steigerung gegenüber den bisherigen Experimenten um fast eine Grössenordnung entspricht. In Verbindung mit dem Intensitätserhöhungsprogramm werden mit dem neuen Verfahren Targettemperaturen von mehr als Hunderttausend Kelvin und Drücke von einem Megabar erreichbar sein.

Erste Targetexperimente mit einem einzelnen Ionenpuls, bestehend aus 12 Milliarden Argonionen bei 300 MeV/u Strahlenergie. Gezeigt ist die schematische Anordnung des Experimentes, die Pulsform des Ionenstrahles am Target, gemessen mit einem schnellen Strahltransformator, und die hydrodynamische Expansion des Bleitargets nach 32 Mikrosekunden. Mehr...



Erste Targetexperimente mit einem einzelnen Ionenpuls, bestehend aus 12 Milliarden Argonionen bei 300 MeV/u Strahlenergie. Gezeigt ist die schematische Anordnung des Experimentes, die Pulsform des Ionenstrahles am Target, gemessen mit einem schnellen Strahltransformator, und die hydrodynamische Expansion des Bleitargets nach 32 Mikrosekunden.



Schwere Ionen im Laserlicht
Prüfstand für die Quantenelektrodynamik in starken Feldern

Speicherringe für schwere Ionen, wie der Experimentierspeicherring ESR der GSI, haben in den letzten Jahren eine Vielzahl von völlig neuen Experimentiermöglichkeiten eröffnet. Eine davon ist die Laserspektroskopie an schweren Ionen, die mit hoher Geschwindigkeit im Speicherring umlaufen. Bei diesen Experimenten profitiert man von der Schmalbandigkeit des Laserlichtes, die eine hochpräzise Spektroskopie erlaubt. In vielen Fällen vereinfacht die hohe Ionengeschwindigkeit die Anwendung des Lasers. Ganz analog zur Hörempfindung eines Autofahrers, der bei Annäherung an eine Schallquelle eine höhere und beim Entfernen von ihr eine tiefere Frequenz wahrnimmt, wird hier für die Absorption des Lichtes eine Verschiebung zu kürzeren bzw. längeren Wellenlängen bewirkt.

Im ESR ist diese Dopplerverschiebung so gross, dass sichtbares Licht für die umlaufenden Ionen bei Einstrahlung in bzw. entgegen ihrer Bewegungsrichtung als infrarotes bzw. ultraviolettes Licht erscheint. In Verbindung mit dem Elektronenkühler, der die für Präzisionsexperimente erforderliche Strahlqualität des umlaufenden Ionenstrahles liefert, ist es möglich, das ganze Potential der Laserspektroskopie auf schnell bewegte Ionen im ESR anzuwenden.

Ein besonderes Interesse gilt dabei der Präzisionsspektroskopie der Hyperfeinstrukturaufspaltung in wasserstoffähnlichen schweren Ionen. Diese Messungen gestatten es erstmals, die Quantenelektrodynamik (QED), die quantenphysikalische Theorie der elektromagnetischen Wechselwirkung, im Bereich extrem starker elektrischer und magnetischer Felder zu überprüfen - einem Bereich, der nur mit hochgeladenen, schweren Ionen erschlossen werden kann. Mehr...



Einblick in das ESR-Laserlabor: zur Anregung des Hyperfeinüberganges in wasserstoffähnlichem 207Pb81+ wurde das grüne Licht eines frequenzverdoppelten Nd:YAG Lasers in Flugrichtung der Ionen eingestrahlt. Bei diesem System konnte der Übergang auch gleichzeitig in Gegenrichtung angeregt werden. Hierzu wurde das grüne Licht des Nd:YAG Lasers in einem sogenannten Optisch-Parametrischen-Oszillator (OPO) in einen roten und einen infraroten Strahl umgewandelt




Relativistische Strahlen exotischer Kerne

Ein leistungsfähiges Werkzeug der Kernstrukturphysik

Die Erzeugung von exotischen Kernen an den Grenzen und jenseits des Gebiets der heute bekannten Kerne und das Studium ihrer Eigenschaften haben bei GSI eine lange Tradition. Das bekannteste Beispiel hierfür sind die Experimente zur Synthese der schwersten Elemente mit den Ordnungszahlen 107 bis 112. Neben der Struktur solcher exotischer Kerne stehen astrophysikalische Fragestellungen, wie zum Beispiel die Elementsynthese in den Sternen, im Mittelpunkt dieser Untersuchungen.


Das wichtigste Arbeitspferd für diese Experimente ist seit der Erweiterung der GSI-Anlagen durch das Synchrotron SIS der Fragmentseparator, an dem relativistische Strahlen exotischer Kerne erzeugt und isotopenrein abgetrennt werden können. In Verbindung mit dem Experimentspeicherring ESR und den verschieden Experimentiereinrichtungen in der Targethalle wurden dadurch einzigartige Forschungsmöglichkeiten für die Kernstrukturphysik eröffnet, die im Zuge des Intensitätserhöhungsprogramms noch erheblich erweitert werden. Die GSI wird damit ihre Stellung als eines der weltweit führenden Labors für radioaktive Sekundärstrahlen noch weiter ausbauen können. Mehr...



Im Eintritt des Fragmentseparators - der Targetstation - können insgesamt 75 Targets mit unterschiedlicher Dicke und Elementzusammensetzung eingebaut werden. Mit Schrittmotorsteuerungen kann jedes der scheibenförmigen Targets, die einen Durchmesser von zwei Zentimeter haben, millimetergenau in den Ionenstrahl gefahren werden. Der Targethalter kann, falls es notwendig ist, ferngesteuert ausgetauscht werden.





Auf dem Weg zu höheren Intensitäten am Synchrotron

Die Perspektiven für die kommenden Jahre

Die Intensitätserhöhung für das Schwerionensynchrotron SIS gehört zu den laufenden Prioritätsvorhaben der GSI. Das Projekt basiert auf einem mehrgliedrigen Programm, das neben Neu- und Weiterentwicklungen an den vorhandenen Beschleunigeranlagen den Einbau eines Elektronenkühlers in den SIS-Ring und die Ersetzung der Wideroe-Sektion des UNILAC durch neue, leistungsfähigere Linearbeschleunigerstrukturen beinhaltet. Hierüber wurde ausführlich in den GSI-Nachrichten 6/96 berichtet.

Der Fortschritt der Arbeiten verläuft seither im wesentlichen planmässig. Bereits seit Anfang des Jahres befindet sich der Elektronenkühler, der in grossen Teilen vom Budker-Institut für Kernphysik (BINP) in Novosibirsk gefertigt wurde, bei der GSI. Auch für den neuen Hochstrominjektor sind bereits zahlreiche Komponenten eingetroffen. Die RFQ-Sektion ist vormontiert und wird gegenwärtig bezüglich ihrer Hochfrequenzeigenschaften vermessen. Mehr...



Elektronenkühler für das SIS: Gegenwärtig wird ein Elektronenkühler für das SIS zum Einbau vorbereitet. Die Anlage wurde in Zusammenarbeit mit dem Budker-Institut in Novosibirsk aufgebaut. Sie wird Anfang 1998 am SIS installiert und ab April in Betrieb genommen. Damit soll zum einen die Strahlqualität im SIS verbessert und zum anderen die Intensität für schwere Ionen erhöht werden. Das Bild zeigt die Vermessung der Magnete nach Anlieferung aus Novosibirsk.
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Haben Sie Kommentare oder Vorschläge zu dieser Seite, wenden Sie sich an webmastergsi.de Letzte Änderung: 14. Dez. 2005 von carola
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