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Wie Darmstadt Zentrum der Schwerionenphysik wurde

Am Anfang stand das Zusammentreffen zweier glücklicher Umstände, einerseits die Entwicklung eines neuen Beschleunigertyps und andererseits das Bestreben hessischer Hochschullehrer ein gemeinsames Zentrum für die universitäre Forschung einzurichten. Es wurde daraus ein Forschungszentrum von internationalem Rang, das heute von mehr als 1000 Wissenschaftlern aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen des In- und Auslands genutzt wird. Dabei sind die hier behandelten fundamentalen Fragen in diesen 25 Jahren keineswegs weniger geworden.

Die GSI in Darmstadt als Zentrum der Schwerionenphysik in Deutschland verdankt ihre Entstehung zwei Entwicklungen, die sich zunächst unabhängig voneinander vollzogen, deren Zusammenwirken aber die Voraussetzung dafür war, daß die Gesellschaft für Schwerionenforschung das werden konnte, was sie heute ist. Es waren dies einerseits die Entwicklung eines neuartigen Beschleunigertyps und andererseits das Bestreben, für zukunftsweisende physikalische Forschung der Hochschulen ein zentrales Laboratorium einzurichten.

Hessische Hochschullehrer gründeten 1966 die Kernphysikalische Arbeitsgemeinschaft Hessen (KAH) mit dem Ziel, für die physikalischen Institute der hessischen Hochschulen ein zentrales Beschleunigerlaboratorium zu errichten. Es sollte im Sinne der Einheit von Forschung und Lehre sowohl der Forschung an einer herausragenden Einrichtung als auch der Ausbildung von Studenten nach einem neuen Konzept dienen. Nach der damals üblichen Praxis »jedem Institut seinen eigenen Beschleuniger« waren seit Mitte der 50er Jahre in der Bundesrepublik an die 20 Beschleuniger kleiner bis mittlerer Größe - Tandems, Zyklotrons, van-de-Graaffs und Elektronen-Linacs - errichtet worden. Als nun in Marburg und Frankfurt ein Ausbau mit neuen Beschleunigeranlagen anstand, war es ein mutiger und vorausschauender Schritt von Wilhelm Walcher, Erwin Schopper und Peter Brix, unter Zurückstellung eigener lokaler Interessen ein gemeinsames Zentrum mit einem entsprechend leistungsfähigeren Beschleuniger anzustreben.

Am Anfang dieses Vorhabens galt es, sich auf ein tragfähiges und zukunftsweisendes Forschungsgebiet zu einigen. Nach eingehenden Diskussionen und Recherchen kristallisierten sich zwei Alternativen heraus, einerseits die Schwerionenphysik bei zunächst niedrigen Energien und andererseits die Mittelenergiephysik, also Untersuchungen elementarer Prozesse bei vergleichsweise höheren Energien. Daraus ergaben sich Konsequenzen für die Wahl des Beschleunigers, die in einem 1966 vorgelegten Memorandum vorgestellt wurden. Bereits seit Beginn der 60er Jahre war in Deutschland Schwerionen-Kernphysik am Tandem-Beschleuniger des Heidelberger Max-Planck-Instituts für Kernphysik betrieben worden. Mit der Berufung von Rudolf Bock nach Marburg 1965 gelangte dieses Arbeitsgebiet auch in die KAH, so daß dort, zusammen mit der Frankfurter Theoriegruppe um Walter Greiner, auch ein personelles Forschungspotential auf dem Gebiet der Schwerionenphysik zur Verfügung stand.



Als wissenschaftliches Ziel akzeptiert
Darüber hinaus gab es in den umliegenden Universitäten viele experimentelle und apparative Entwicklungen, die für die Schwerionenforschung relevant waren: Massenseparatoren in Gießen und Marburg, Detektorentwicklungen in Frankfurt, Heidelberg und Marburg, kernchemische Verfahren in Darmstadt, Mainz und Marburg. Sie konnten zu einer vielseitigen Gestaltung des wissenschaftlichen Programms beitragen, und so wurde die Schwerionenphysik schon bald als das wissenschaftliche Ziel des neuen Zentrums allgemein akzeptiert.

Christoph Schmelzer
Der UNILAC, dessen prinzipiellen Aufbau Christoph Schmelzer schon Ende der 50er Jahre ersonnen hatte, war eine wesentliche Voraussetzung für die Gründung der Gesellschaft für Schwerionenforschung in Darmstadt. Später wurde Prof. Schmelzer der erste Wissenschaftliche Geschäftsführer der GSI. Dieses Bild entstand 1978.
Die zweite Wurzel der GSI, die der Beschleunigerentwicklung, reicht noch weiter zurück. Christoph Schmelzer hatte schon Ende der 50er Jahre, damals arbeitete er in Genf an der Entwicklung des CERN-Protonensynchrotrons, über mögliche Konzepte eines Linearbeschleunigers für Ionen bis hinauf zum Uran nachgedacht. Damit war er seiner Zeit weit voraus, denn damals sah man schon Ionen von Kohlenstoff und Sauerstoff als »schwer« an. Nach seiner Berufung an die Universität Heidelberg betrieb Schmelzer die Entwicklung dieses Beschleunigers systematisch. Sein UNILAC (für UNIversal Linear ACcelerator) sollte ein Hochfrequenz-Beschleuniger mit variabler Energie sein und Ionen aller Elemente auf Energien oberhalb der Coulombschwelle beschleunigen können. In einer »Beschleunigerwelt« der Tandems und Zyklotrons, die man damals fast von der Stange kaufen konnte, war dies ein kühnes und weitblickendes Unterfangen.

In einer vom damaligen Bundesministerium für wissenschaftliche Forschung (BMwF) finanzierten Studiengruppe der Heidelberger Universität, die sich 1963 auf dem Gelände des Max-Planck-Instituts für Kernphysik etabliert hatte, wurden die UNILAC-Entwicklungsarbeiten auf breiter Basis angegangen. Dazu gehörten die Entwicklung von Hochfrequenzstrukturen und Ionenquellen sowie technologische Entwicklungen. Mit Experimenten am Tandem-Beschleuniger des Max-Planck-Instituts wurden die für die Konstruktion des UNILACs unentbehrlichen Parameter wie beispielsweise die Ionen-Umladungsquerschnitte oder die Ladungsverteilungen nach Durchgang durch Folien und Gase bestimmt.

Nachdem Christoph Schmelzer 1967 für das Projekt der KAH gewonnen werden konnte, hatte man sich auch schnell auf den UNILAC als den zu bauenden Beschleuniger geeinigt, was im Juli 1968 in einem zweiten Memorandum dokumentiert wurde. Mit der Größe der Aufgaben wuchsen aber auch neue Einsichten. Die ursprünglich nur auf Hessen beschränkte KAH hatte sich inzwischen auf Heidelberg und Mainz ausgedehnt, und das Projekt war schnell über eine nur vom Land Hessen zu finanzierende Einrichtung hinausgewachsen. Es war jetzt das Ziel, für dieses Laboratorium neben dem Land den Bund als Finanzierungsträger zu gewinnen, es - ähnlich wie DESY in Hamburg seit 1959 - als eine Großforschungseinrichtung zu errichten und zu betreiben.

Standortentscheidung
Bei der Entscheidung über den Standort des neuen Zentrums fiel die Wahl schließlich auf ein im Norden von Darmstadt gelegenes unerschlossenes feuchtes Waldgebiet. So mußten - im März 1971 - erst einmal Bäume gerodet werden, ehe die Wissenschaft Einzug halten konnte.
Bezüglich des personellen Umfangs dachte man damals an etwa 330 Mitarbeiter. Sie wurden für den Betrieb des Beschleunigers und die Betreuung der wissenschaftlichen Anlagen benötigt, sollten aber in gewissem Umfang auch eigene Forschung betreiben. Der größere Teil der Forschung, etwa zwei Drittel, sollte jedoch personell durch die Hochschulen abgedeckt werden, in der Mehrheit durch Doktoranden. Bezüglich des Standorts wurde aus einer Anzahl von Vorschlägen schließlich der heutige Sitz im Norden von Darmstadt, ein damals unerschlossenes feuchtes Waldgebiet ausgewählt.

Gewisse Turbulenzen kamen Ende 1968 auf, als sich auch das Kernforschungszentrum Karlsruhe überraschend um den UNILAC bewarb. Während man auf der Beschleunigerseite dieser Bewerbung aufgeschlossen gegenüberstand, regte sich auf der Hochschulseite entschiedener Widerstand. Die großen Kernforschungszentren agierten damals nicht gerade benutzerfreundlich. Statt Stacheldrahtzaun, Ausweiskontrolle und Einbindung in eine »projekt-gewohnte« Verwaltung waren die Ideale der hessischen Nutzer Hochschulnähe - auch in der Organisation des Labors -, freie Zugänglichkeit für Studenten und Unabhängigkeit von verkrusteten Strukturen. Genau dies konnte später in Darmstadt bei der GSI auch weitgehend realisiert werden.

Eine andere Konsequenz dieses Abwerbungsversuchs war, daß nun auch ein an der Universität Frankfurt entwickeltes, durchaus originelles, mit wendelförmigen Resonatoren arbeitendes Beschleunigerkonzept in die Argumentation beider Lager mit einbezogen wurde. Daraus wurde zwar nichts, doch die Diskussion »Wendel kontra konventionelle Beschleunigerstrukturen« sollte die GSI auch nach ihrer Gründung noch einige Zeit beschäftigen.

Leitungsgremium GSI und Baudirektor
Nach dem Vorbild von DESY in Hamburg trat an die Spitze der GSI ein fünfköpfiges Leitungsgremium, das Wissenschaftliche Direktorium. Die Aufnahme entstand im Februar 1971 und zeigt vier Direktoriumsmitglieder - von links nach rechts Prof. Rudolf Bock, Prof. Peter Brix, Prof. Christoph Schmelzer und den kaufmännischen Geschäftsführer Hans Otto Schuff - im Gespräch mit Baudirektor Flöter von der Oberfinanzdirektion Wiesbaden.
Ohne den engagierten Einsatz des Landes Hessen wäre das neue Zentrum in der ursprünglich konzipierten Form nicht zustande gekommen. So war Hessen bereit, die (gegenüber dem Karlsruher Zentrum) standortbedingten Mehrkosten aufzubringen. Statt dem bei den Großforschungseinrichtungen üblichen Finanzierungsschlüssel von 10 zu 90% zwischen Sitzland und Bund bot Hessen eine Quote von 20 zu 80% für die Zeit der Bauphase an.

Die formelle Gründung als »Gesellschaft für Schwerionenforschung« erfolgte am 17. Dezember 1969 in der Rechtsform einer GmbH und als Großforschungseinrichtung des Bundes und der Länder mit einem fünfköpfigen Leitungsgremium, dem Wissenschaftlichen Direktorium, an der Spitze.

Damit waren sowohl für die wissenschaftlichen als auch für die hochschulpolitischen Ziele günstige Rahmenbedingungen geschaffen. In der Beschleunigerfrage fiel 1971 nach vielen Gremien- und Gutachtersitzungen die endgültige Wahl auf den UNILAC. Die gesamte Konstruktionsarbeit und Projektkoordinierung waren dann Aufgabe der GSI. Dabei konnte die Bestellung der Komponenten dank der Heidelberger Vorarbeiten schnell auf den Weg gebracht werden.



Großzügige Finanzierung der Hochschulgruppen
Im Sinne der von den Gründern geplanten Hochschulnähe wurden die Hochschulgruppen schon in der Planungsphase intensiv in die Vorbereitung von Experimenten mit einbezogen. Nach einem neuen Finanzierungsmodell - später als GSI-Modell bekannt - wurde in den Haushaltsplan der GSI ein großzügig ausgestatteter Titel eingestellt, aus dem die Hochschulgruppen Mittel für die Entwicklung von Apparaten und Methoden, aber auch Personalmittel, bekommen sollten. Dieser Titel betrug anfänglich über 70% der GSI-internen Forschungsmittel und liegt heute noch bei etwa 30%. Er ermöglichte eine schnelle Aktivierung der Hochschulgruppen bei der Realisierung des breit angelegten Forschungsprogramms.

Richtfest Juni 1973
Im Juni 1973 war es so weit, daß man unter lebhafter Beteiligung der künftigen Nutzer Richtfest feiern konnte.
Bei den Forschungsthemen stand die Suche nach superschweren Elementen als symbolhaftes Ziel natürlich von Anfang an im Vordergrund, doch das Forschungsprogramm wies auch darüber hinaus eine Fülle interessanter Themen auf: Fragen der Kernreaktionsphysik, der Kernstruktur, der Atomphysik, der Kernchemie sowie Vorstöße in Neuland versprechende Anwendungen. Die umliegenden Hochschulen beteiligten sich sehr engagiert, und in enger Zusammenarbeit wurden die ersten 15 Meßplätze gemeinsam konzipiert und aufgebaut.

Als der UNILAC im November 1975 nach nur vierjähriger Bauzeit den ersten Schwerionenstrahl lieferte, war auch ein Teil der Experimentaufbauten schon fertiggestellt. Die Konditionierung des Beschleunigers, die Verbesserung der Strahlqualität und die Entwicklung der Quellen für das breite Spektrum gewünschter Ionen waren dann noch weitere Herausforderungen. Sie nahmen die Beschleunigermannschaft in den folgenden Jahren ganz in Anspruch, aber bereits im April 1976 konnte weltweit zum ersten Mal Uran beschleunigt werden - ein Meilenstein in der Geschichte der GSI.

Aus den anfänglich geplanten 330 Mitarbeitern waren inzwischen etwa 450 geworden, aber immer noch zu wenig für die wesentlich erweiterten Aufgaben des neuen Laboratoriums. Die Forschungsförderung des Bundes hatte damals die Grenzen des Wachstums erreicht, nur leider lange bevor die Infrastruktur der GSI ausreichend ausgebaut war. Insbesondere bei der späteren Erweiterung der Beschleunigeranlage wurde dies zu einem sehr ernsten Problem. An der ständig wachsenden Zahl der Nutzer, der erfreulichen Resonanz bei den Hochschulen und an dem steigenden Interesse, auch über die Grenzen der Bundesrepublik hinaus, ließ sich aber erkennen, daß die GSI als Zentrum der Schwerionenforschung akzeptiert war.

Der Aufbruch in eine neue Phase der GSI - und gleichzeitig in eine neue Ära der Kernphysik - begann schon 1974, noch bevor der UNILAC seinen ersten Strahl geliefert hatte. Motiviert war dieser Aufbruch durch den Wunsch, Kernmaterie bei hoher Dichte und Temperatur und deren astrophysikalische Bedeutung im Zusammenhang mit Supernova-Explosionen und Neutronensternen zu untersuchen. Hierzu gehören eine ganze Anzahl von interessanten Phänomenen, die im Schwerionenstoß bei hohen Energien auftreten: kooperative Effekte, sogenannte Delta-Materie und exotische Nuklide. Auch Anwendungen in Medizin und Materialforschung wurden diskutiert.

Kernpunkt dieser Diskussionen war aber doch die nukleare Zustandsgleichung mit der von den Theoretikern genährten Hoffnung, einen Phasenübergang zu einem neuen Zustand nuklearer Materie zu entdecken, der Quark-Materie. Nach damaligem Erkenntnisstand war eine Kompression von Kernmaterie, wenn überhaupt, nur im Stoß schwerer Kerne und nur bei relativistischen Energien zu erreichen. Das Ziel war also der Einstieg in den gegenüber dem UNILAC 100mal höheren, »relativistischen« Energiebereich, wo die Ionen bei der Beschleunigung nahezu Lichtgeschwindigkeit erreichen.

Im Lawrence Berkeley Laboratory (LBL) in Kalifornien war zu dieser Zeit durch die Kopplung zweier Maschinen, des Super HILAC und des alten Bevatrons, ein Beschleuniger für schwere Ionen, der BEVALAC, kurz vor der Fertigstellung. Bei der GSI wurde damals beschlossen, sich im Hinblick auf die eigenen Erweiterungspläne an den Untersuchungen dieses Pilotprojekts zu beteiligen. So begann im Herbst 1974 am BEVALAC eine gemeinsame GSI/LBL-Gruppe mit ihren Experimenten.



Aufbruch zu höheren Energien
1976 legte die GSI dann einen neuen Projektvorschlag für den Einstieg in dieses neue Gebiet vor. Es ging dabei um die Errichtung eines Schwerionen-Synchrotrons (SIS) mit einer Beschleunigungsenergie von 1 GeV pro Nukleon und dem UNILAC als Injektor. Die Experimente am BEVALAC, an denen die GSI mit Engagement und Erfolg beteiligt war, hatten jedoch erkennen lassen, daß man für die Untersuchung der Kernmaterie bei höchsten Dichten und für den Übergang in Quark-Materie wesentlich höhere Energien benötigen würde. Von der GSI-Beschleunigergruppe wurden deshalb auch andere Szenarien entwickelt. Insbesondere wurde eine Zwei-Ring-Maschine mit einer Endenergie für Uran von 10 GeV pro Nukleon auf Realisierbarkeit und Kosten untersucht.

Von 1978 bis 1983 erfuhren diese Ausbaupläne viele Änderungen, wobei ein Dilemma dieser Jahre die divergierenden Strahlanforderungen zweier Nutzergemeinden waren: Die Initiatoren der Kernmaterie-Physik wollten die höchstmöglichen Energien, die übrigen dagegen hohe Strahlintensität bei moderater Energie. Die Lösung dieses Dilemmas gelang schließlich auf ganz andere Weise.

Das Beschleuniger-Szenarium des CERN war - im Prinzip - zur Beschleunigung schwerer Ionen auf hohe Energien hervorragend geeignet. Es fehlte nur der geeignete Injektor und zunächst auch die Akzeptanz solcher Experimente bei den Teilchenphysikern. Nach fast zweijährigen Diskussionen und hartnäckigen Verhandlungen mit dem CERN kam es im August 1983 schließlich zu einer Vereinbarung, die am CERN den Weg in die Schwerionenphysik eröffnete. Die GSI und das LBL übernahmen gemeinsam die Entwicklung eines Injektors für zunächst relativ leichte Ionen wie Sauerstoff und Schwefel, ein bescheidener Anfang zwar, doch mit weitreichenden Folgen. Bei der GSI aber war damit der Weg frei für die kleine Maschine.

Hinzu kam die Idee, den Schwerionenstrahl zu kühlen. Seit 1982 war bei der GSI ein bescheidener Kühlerring, SITAR genannt, projektiert worden mit dem Ziel, Maschinenexperimente im Zusammenhang mit dem bei der GSI laufenden Forschungsprogramm »Trägheitsfusion mit Schwerionenstrahlen« durchzuführen. Die Kühlung schwerer Ionen war damals neu, aber die Kern- und Atomphysiker erkannten bald die Chance, die ihnen die Strahlkühlung bot.



Die zweite Sternstunde nach der UNILAC-Entscheidung
Unter dem neuen Wissenschaftlichen Geschäftsführer der GSI, Prof. Paul Kienle, gelang es, diesen Aspekt in einen neuen Ausbauvorschlag - den später realisierten - und in ein entsprechend erweitertes Forschungsprogramm einzubinden. Damit war das SIS/ ESR-Projekt geboren - sehr zur Erleichterung der Gremien und der Nutzer. Nach der Entscheidung für den UNILAC war dies die zweite Sternstunde der GSI.

Bau des Ringbeschleunigers
In der zweiten Hälfte der 80er Jahre entstand unmittelbar neben den bestehenden GSI-Gebäuden eine gewaltige Baustelle: die Erweiterung durch das SIS/ESR-Projekt. Das Bild läßt im Hintergrund in Ansätzen den Ringtunnel des künftigen Schwerionen-Synchrotrons erkennen.
Übergabe der baulichen Erweiterungen
Am 23. April 1990 fand unter Beteiligung von zahlreichen Gästen aus dem In- und Ausland die feierliche Übergabe der SIS/ESR-Erweiterung in der neuen Experimentierhalle statt.
Nachdem der Hochenergieaspekt für den künftigen Beschleuniger an Bedeutung verloren hatte, einigte man sich schnell auf das ursprüngliche Konzept eines normalleitenden Synchrotrons mit hoher Repetitionsrate und einer Endenergie für Uran von 1,3 GeV pro Nukleon. Die Kühlung und Speicherung von schweren Ionen war die neue Qualität. Hinzu kam die Möglichkeit, hohe Strahlintensitäten zu erreichen. Damit wurde das neue Konzept von größtem Interesse für die Erzeugung exotischer Kerne und für die Schwerionen-Plasmaphysik. Der neue Projektvorschlag wurde 1984 den Gremien vorgestellt und ein Jahr später von den Gesellschaftern genehmigt. Das Projekt wurde im vorgesehenen Zeitplan realisiert und 1990 eingeweiht.

Die Forschungslandschaft der GSI erfuhr in dieser Zeit eine wesentliche Bereicherung durch neue Forschungsthemen und eine neue Generation von Experimentiereinrichtungen. Die Zahl der Nutzer stieg unter Beteiligung von mehr als 25 deutschen Hochschulen und zahlreichen internationalen Forschungslabors auf über 1000 an. Außerdem führte das zu vielen neuen internationalen Kontakten. Vom Umfang her wurden die Beschleunigeranlagen der GSI um mehr als das Doppelte erweitert, doch leider blieb der Zuwachs an Personal minimal.



Kristallisationskeim für zwei große CERN-Kollaborationen
Die Hochenergiegruppe der GSI beim LBL in Berkeley wurde nach der Beendigung dieses Projekts zum Kristallisationskeim für zwei große Experiment-Kollaborationen am CERN. Durch die Initiative der GSI und die tatkräftige Unterstützung vieler Kollegen wurden hier neue Forschungsmöglichkeiten erschlossen, die viele weitere Gruppen anzogen. Die Suche nach dem Quark-Gluon-Plasma ist hier weiterhin das dominierende Ziel. Dazu wurde am CERN unter maßgeblicher Beteiligung der GSI ein größerer, 1994 eingeweihter Injektor gebaut, der »Blei-Injektor«. Er wird seit November 1994 intensiv für ein Experimentierprogramm mit Blei-Strahlen am SPS genutzt und ist die Voraussetzung dafür, daß einmal Blei-Ionen im »Large Hadron Collider« (LHC) des CERN beschleunigt werden können, sobald dieser im kommenden Jahrzehnt die weltweit höchstmöglichen Energien liefern wird.

Wissenschaftliche Geschäftsführer von GSI
Der 85. Geburtstag von Christoph Schmelzer führte die vier Wissenschaftlichen Geschäftsführer der GSI im Herbst 1994 bei einer Veranstaltung der Universität Heidelberg, des Max-Planck-Instituts für Kernphysik und der GSI zusammen (von links nach rechts: Prof. Schmelzer, Prof. Gisbert zu Putlitz, Prof. Paul Kienle und der gegenwärtige Amtsinhaber Prof. Hans Joachim Specht).
Nach 25 Jahren Schwerionenforschung bei der GSI unter vier Wissenschaftlichen Geschäftsführern sind die fundamentalen Fragestellungen in der Kern- und Atomphysik nicht weniger geworden, sondern haben beträchtlich zugenommen.

Die relativistische Schwerionenphysik vereinigt wieder zunehmend die Interessen von Teilchen- und Kernphysikern. Außerdem gibt es in der anwendungsorientierten Forschung eine Reihe wichtiger Entwicklungen. Die Schwerionenforschung wurde zu einem interdisziplinären Gebiet, das in der GSI ein integrierendes Zentrum gefunden hat, sowohl für die Hochschulforschung als auch für die internationale Zusammenarbeit.
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Haben Sie Kommentare oder Vorschläge zu dieser Seite, wenden Sie sich an webmastergsi.de Letzte Änderung: 11. Nov. 2010 von C.Bisignano
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