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Wo die schweren Ionen herkommen

Zu der großen Vielfalt an Experimentiermöglichkeiten, wie sie bei der GSI besteht, gehört eine mehrgliedrige Beschleunigeranlage, ein ganzes System von Linear- und Kreisbeschleunigern mit dazwischengeschalteten Strahlführungsstrecken zu ihrer wechselseitigen Verbindung und zum Anschluß der Experimente. Dieser Bericht vertieft die beschleuniger-technischen Angaben und versucht, eine Vorstellung von der Komplexität zu vermitteln, die erforderlich ist, um bis zu fünf Experimente gleichzeitig mit Ionenstrahlen verschiedener Art und Energie zu bedienen.

GSI Beschleunigeranalge
Grundriß der Beschleuniger- und Experimentier-Anlage. Von den Injektoren Nord und Süd (links) mit der anschließenden Wideröe-Struktur oder alternativ vom Hochladungsinjektor werden die lonen mit etwa 5% der Lichtgeschwindigkeit in die Alvarez-Struktur eingeschossen. Hinter dem UNILAC hat der lonenstrahl 16% der Lichtgeschwindigkeit erreicht. Ein Teil des Strahls wird nun in der anschließenden Experimentierhalle für Versuche verwendet, während der verbleibende Rest zur weiteren Beschleunigung in das Schwerionen-Synchrotron SIS transferiert wird. Dort erreichen die Ionen maximal 90% der Lichtgeschwindigkeit und werden dann für Experimente am Fragmentseparator FRS, im ESR oder in der Target-Halle ausgelenkt.
Blick in UNILAC Tunnel
Blick in den UNILAC-Tunnel. Im Vordergrund sind links und rechts die beiden alten Injektoren mit den Ionenquellen zu erkennen. Nach der Strahleinlenkung folgen im Tunnel die Wideröe- und Alvarez-Tanks sowie die von Christoph Schmelzer und seinen Mitarbeitern entwickelten Einzelresonatorstrukturen.

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Die für die GSI-Experimente benötigten Ionenstrahlen erzeugt eine Beschleunigeranlage, die aus drei Komponenten besteht: dem Linearbeschleuniger UNILAC, dem Schwerionen-Synchrotron SIS und dem Experimentier-Speicherring ESR. Dabei liefert der UNILAC zum einen die Ionen für das Experimentierprogramm bei niedrigen Energien und dient zum anderen als Vorbeschleuniger für SIS. Dessen hochenergetische Strahlen können dann sowohl zu den in der Target-Halle aufgebauten Experimenten als auch zum Fragmentseparator FRS oder zum ESR geleitet werden. Der ESR bietet die Möglichkeit, die Ionenstrahlen zu kühlen und für interne Ringexperimente zu nutzen. Alternativ können die ESR-Strahlen auch für Experimente in der Target-Halle extrahiert oder für eine weitere Beschleunigung in das Synchrotron zurückgeleitet werden. Kurz: Es handelt sich um ein sehr vielseitiges labyrinthartiges System.

Der UNILAC wurde 1975 als erster Beschleuniger der GSI fertiggestellt. Aufgrund der Vorarbeiten einer Studiengruppe des Instituts für Angewandte Physik in Heidelberg konnte mit seinem Bau bereits kurz nach der Gründung der GSI begonnen werden. Wichtige Argumente für die Wahl dieses Beschleunigertyps waren damals unter anderem die einfache Energievariation und der einfache Einschuß aus mehreren Ionenquellen, Eigenschaften, die sich bei der späteren Erweiterung der Anlage als sehr vorteilhaft erwiesen.

Um die Atome des Strahls möglichst effizient beschleunigen zu können, muß man sie möglichst hoch ionisieren, das heißt, ihnen viele Elektronen entreißen. Dies geschieht in der Ionenquelle zum Beispiel durch eine Hochstrom-Gasentladung. Beim Uran mit seinen 92 Elektronen mußte man damals davon ausgehen, daß sich maximal zehn Elektronen würden abstreifen lassen, also ein zehnfach geladenes Uran erzeugbar sei. Dementsprechend wurden der Aufbau und die Struktur des UNILAC konzipiert.



Das gewünschte Isotop auswählen
Am Anfang des Strahlengangs befinden sich die Injektoren (Nord und Süd). Sie beherbergen die Ionenquellen, aus denen die ionisierten Atome mit Hilfe eines elektrischen Felds abgezogen werden. Es folgt eine elektrostatische Vorbeschleunigung, bei der die Ionen eine Gleichspannung von maximal 320000 Volt »durchfallen«. Beim anschließenden Einlenken des Strahls in den Hauptbeschleuniger wird aus dem natürlichen Isotopengemisch des betreffenden Elements das gewünschte Isotop ausgewählt.

Die erste Stufe des UNILAC ist eine Wideröe-Struktur, benannt nach Rolf Wideröe, einem Schweizer Physiker norwegischer Herkunft, der 1928 das Prinzip des Hochfrequenzbeschleunigers erfand. Es handelt sich dabei um vier, in verkupferten Stahltanks untergebrachte Elektrodenstrukturen von insgesamt 30 Meter Länge mit etwa 130 Beschleunigungselektroden, den Driftröhren. Die Länge der Elektroden ist so gewählt, daß die elektrischen Hochfrequenzfelder - die Betriebsfrequenz beträgt 27 MHz - immer die richtige Polarität haben, wenn sich die Ionen zwischen den Elektroden befinden. So werden sie immer wieder durch die Felder ein Stück »angeschoben«. Außerdem enthalten die Elektroden zum Teil magnetische Linsen, die den Strahl entlang der Beschleunigerachse führen.

UNILAC Struktur
Wie die Glieder einer Kette sind die 130 Beschleunigungselektroden der Wideröe-Struktur in den vier verkupferten Stahltanks hintereinander aufgereiht. Wenn die Ionen aus den durchbohrten Metallzylindern kommen, spüren sie bis zum Eintritt in den nächsten Zylinder das beschleunigende Hochspannungsfeld.

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Alle Ionenarten verlassen die Wideröe-Struktur mit der gleichen, fest eingestellten Geschwindigkeit von etwa 16000 km/s, gut 5% der Lichtgeschwindigkeit. Dem entspricht eine Energie von 1,4 Megaelektronenvolt pro Kernbaustein (1,4 MeV pro Nukleon). Danach durchdringen die Ionen einen Überschall-Gasstrahl und erleiden dabei so heftige Stöße, daß nochmals viele Elektronen abgestreift werden, weit mehr als ursprünglich in der Ionenquelle. In diesem Stripper erreichen Uran-Ionen beispielsweise Ladungszustände um 28+. Das heißt, ihnen fehlen 28 Elektronen. Ohne diese zusätzliche Ionisierungsstrecke hätte der UNILAC wesentlich länger gebaut werden müssen, um die gewünschten Endgeschwindigkeiten zu erreichen. Wie bereits in der Ionenquelle, so werden auch bei den Zusammenstößen mit den Target-Atomen unterschiedliche Ladungszustände erzeugt, davon aber nur einer für die weitere Beschleunigung aussortiert.

In der zweiten, etwa 55 Meter langen Stufe des UNILAC übernehmen Alvarez-Strukturen - erfunden 1946 von dem amerikanischen Physiker und späteren Nobelpreisträger Luis W. Alvarez - die Beschleunigung. Das geschieht in vier Tanks von jeweils 13 m Länge mit über 150 Driftröhren beziehungsweise Beschleunigungsspalten. Der Vorzeichenwechsel des elektrischen Feldes zwischen den Driftröhrenelektroden erfolgt mit einer Betriebsfrequenz von 108 MHz, viermal schneller also als in der Wideröe-Struktur. Die spezifische Austrittsenergie beträgt für alle Ionen am Ende 11,6 MeV pro Nukleon, entsprechend 16% der Lichtgeschwindigkeit, fast 50000 km/s.

Als dritte UNILAC-Stufe schließt sich eine Folge von 15 Einzelresonatoren an, eine speziell entwickelte Struktur. Jeder dieser Resonatoren hat nur einen Beschleunigungsspalt und wird von einem unabhängig steuerbaren Hochfrequenzgenerator gespeist. Damit läßt sich (im Gegensatz zu den Strukturen der ersten und zweiten Stufe) die Ionengeschwindigkeit einstellen. Durch Beschleunigen oder Abbremsen ist jede gewünschte Endenergie des Ionenstrahls im Bereich von 2 MeV bis 18 MeV pro Nukleon möglich.



Drei neue Techniken für den Hochladungsinjektor
Mitte der 80er Jahre wurde der UNILAC in der zweiten und dritten Stufe so umgerüstet, daß in weniger als 15 Millisekunden auf eine andere Endenergie umgeschaltet werden kann. Damit lassen sich die Energien für den Einschuß in ein Schwerionen-Synchrotron und für das Niederenergie-Experimentierprogramm unabhängig voneinander wählen. Seit der Inbetriebnahme eines weiteren Injektors für die Alvarez-Stufe, des sogenannten Hochladungsinjektors, im Jahre 1992, besteht auch die Möglichkeit, in weniger als 15 Millisekunden auf andere Ionen umzuschalten, so daß man für UNILAC- und SIS-Experimente die beschleunigten Ionensorten unabhängig wählen kann. Dieser neue, parallel zum Wideröe-Teil betriebene Injektor erlaubt es, durch Verwendung einer speziellen Ionenquelle - einer sogenannten Elektron-Zyklotron-Resonanz-Quelle (EZR) - für Uran direkt den Ladungszustand 28+ einzustellen.

Zur Beschleunigung auf die für die Alvarez-Struktur erforderlichen 1,4MeV pro Nukleon werden die Ionen zunächst in eine sogenannten RFQ-Struktur, wie sie Ende der 70er Jahre in Moskau von Kapchinsky erfunden und für die GSI an der Universität Frankfurt gebaut wurde, eingeschossen. Daran schließt sich eine sogenannten IH-Struktur an, wie sie erstmals 1978 von Morinaga und Mitarbeitern in München eingesetzt und bei der GSI für den Einsatz mit langsamen schweren Ionen weiterentwickelt wurde. Die Kombination dieser drei neuen Techniken erlaubt es jetzt, sehr kompakte Schwerionen-Linearbeschleuniger zu bauen.

Schon bald nach der Fertigstellung des UNILAC begannen bei der GSI Überlegungen zum Bau eines Beschleunigers für Ionenstrahlen mit wesentlich höheren Energien. Dabei war klar, daß für schwere Ionen nur ein Synchrotron-Kreisbeschleuniger in Frage kommen konnte, ein Vakuumring, in dem die Ionen, von magnetischen Feldern auf einer Kreisbahn gehalten, bei einigen hunderttausend Umläufen bis nahe an die Lichtgeschwindigkeit beschleunigt werden. Dabei steigen sowohl das Magnetfeld als auch die Frequenz des beschleunigenden elektrischen Felds synchron mit der Zunahme der Geschwindigkeit an. Dies gab diesem Beschleunigertyp den Namen Synchrotron.

Blick entlang Beschleunigerring
Blick entlang des SIS-Beschleunigerrings, mit dem die aus dem UNILAC kommenden Ionen bis auf 90% der Lichtgeschwindigkeit beschleunigt werden können. Die roten Abschnitte sind die Ablenkmagnete und die gelben Sektionen die Fokussierungsmagnete. Der Strahl wird von links in den Ring eingeschossen.

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Das SIS ist ein solcher Ringbeschleuniger mit einem Umfang von 216 Metern. 24 Biegemagnete halten die umlaufenden Ionen auf seiner Kreisbahn, und 36 magnetische Linsen fokussieren sie. Um die Beschleunigung möglichst effizient zu machen und eine hohe Energie zu erreichen, wird der Ionenstrahl auf der Strecke zwischen UNILAC und SIS durch eine dünne Kohlenstoff-Folie geschickt und weiter ionisiert, bei Uran-Ionen von 28+ auf 72+. Bei der maximal möglichen magnetischen Biegekraft der SIS-Magnete wird so eine spezifische Energie von etwa 1000 MeV pro Nukleon (= 1 GeV pro Nukleon) erreicht. Für leichte Elemente wie Neon erhält man sogar vollständig ionisierte Ionen. Dies ermöglicht spezifische Energien von bis zu 2 GeV pro Nukleon, entsprechend 90% der Lichtgeschwindigkeit (Abb. IX.4).

Die Beschleunigung im Synchrotron erfolgt in zwei diametral im Ring angeordneten Hochfrequenzstrukturen, in denen die Ionen bei jedem Umlauf eine Spannung von 15000 Volt »durchfallen« und so über einige hunderttausend Umläufe die maximale Energie erreichen. Die Frequenz wächst dabei entsprechend dem Geschwindigkeitszuwachs von 800 kHz auf maximal 5,6 MHz an. Die Ionen legen während des etwa eine Sekunde dauernden Beschleunigungsvorgangs viele tausend Kilometer zurück. Da bei den Uran-Ionen aber immer noch 20 Elektronen an den Atomkern gebunden sind, muß man das Vakuumrohr, in dem die Ionen umlaufen, extrem evakuieren - bis auf 10-10 Torr. Andernfalls könnten sie im Rohr durch Stöße mit Gasmolekülen Elektronen verlieren und dadurch aus der Bahn geraten. Das bedeutet, daß das Vakuum im Ringbeschleuniger SIS tausendmal besser sein muß als das im UNILAC.

Nach der Beschleunigung auf die gewünschte Energie wird der Strahl schnell - das ist in weniger als einer Mikrosekunde - oder langsam - während einer Zeit bis zu 10 Sekunden - extrahiert. Die schnelle Extraktion erfolgt beim Transport in den Speicherring oder für spezielle Experimente, die langsame für die Mehrzahl der Experimente am Fragmentseparator (FRS) und in der großen Target-Halle.



Experimente mit individuell wählbaren Parametern
Das Kontrollsystem des SIS und die hier angewendete spezielle Technik der Magnetstromgeräte machen es möglich, für jeden Beschleunigungszyklus eine andere Endenergie, eine andere Extraktionsart (»schnell« oder »langsam«) oder eine andere Intensität einzustellen. Gegenwärtig können bis zu 16 verschiedene Einstellungen gespeichert und in einer wählbaren Folge abgerufen werden. Dank dieser Flexibilität lassen sich mehrere Experimente parallel zueinander mit individuell wählbaren Parametern bedienen. Mit dem neuen Hochladungsinjektor ist als weiterer Parameter die zweite Ionenart hinzugekommen. Die Dimensionierung des experimentellen Speicherrings ESR ergab sich aus der Verknüpfung mit dem SIS. Er hat mit 108 Metern den halben SIS-Umfang. Seine Form entspricht der eines Sechsecks mit zwei längeren geraden Strecken, die eine für den Elektronenkühler, die andere für ein Gas-Target, das Experimente im Ring ermöglicht. Das Sechseck wird durch sechs Biegemagnete von je 60° gebildet, und 20 magnetische Linsen besorgen die Fokussierung. Darin können vollständig ionisierte Uran-Ionen mit einer spezifischen Energie bis zu 560 MeV pro Nukleon oder Neon-Ionen bis zu 830 MeV pro Nukleon gespeichert werden.

Durch die bereits im Atomphysik-Kapitel beschriebene Elektronenkühlung lassen sich die Strahleigenschaften der gespeicherten Ionen erheblich verbessern. Dazu wird ein Elektronenstrahl von gleicher Geschwindigkeit wie der Ionenstrahl eingelenkt, über 2 Meter mitgeführt und dann wieder ausgelenkt. Die Elektronen haben exakt die Sollgeschwindigkeit und Richtung des Ionenstrahls, und soweit einzelne Ionen davon abweichen, werden sie von den Elektronen beschleunigt oder abgebremst und so über viele Umläufe auf die Sollwerte gebracht. Die statistischen Abweichungen von den Idealwerten lassen sich durch eine Temperatur beschreiben, die mit der Zeit sinkt. Daher spricht man von einer Elektronenkühlung des Ionenstrahls.

Anschaulich betrachtet wirkt sich die Kühlung so aus, daß der Durchmesser des Ionenstrahls in Bruchteilen einer Sekunde von einigen Zentimetern auf wenige Millimeter schrumpft. Gleichzeitig kann so je nach der Zahl der Ionen im Ring die Impulsunschärfe bis zu tausendfach verringert werden. Die gekühlten Strahlen werden aus dem ESR extrahiert und in den in der Target-Halle aufgebauten Experimenten für Untersuchungen mit Strahlen bisher nie erreichter Qualität eingesetzt. Man kann sie auch schnell extrahieren und wieder in das SIS einschießen, wo sie dann als vollständig ionisierte Atome zu noch höheren Energien beschleunigt werden.

Das in der zweiten längeren Strecke des ESR-Sechsecks untergebrachte transversale Gasstrahl-Target, das immer wieder mit den zirkulierenden Ionen beschossen werden kann, dient den kern- oder atomphysikalischen Untersuchungen im Ring selbst. Da der Strahl bei Stößen mit den Gasatomen aufgeheizt wird, läuft gleichzeitig die Elektronenkühlung. Der Vakuumdruck in der Ringkammer des ESR liegt bei 10-11 Torr, also noch einmal eine Größenordnung unter dem SIS-Druck. Die typische Lebensdauer des zirkulierenden Strahles erreicht hier mit der Elektronenkühlung etwa 10 Stunden für Neon und 30 bis 60 Minuten für schwere Ionen. So gelang es erstmals, mit vollständig ionisierten und gekühlten Uranstrahlen zu experimentieren.

Die Ionenoptik des ESR zeichnet sich durch eine große Winkel- und Impulsakzeptanz aus. So könnte man zum Beispiel in einem Ring gleichzeitig zwei Strahlen speichern, die sich unter einem kleinen Winkel kreuzen. Dabei läßt sich die Relativgeschwindigkeit so wählen, daß die Abstoßung der Atomkerne überwunden werden kann und Kernreaktionen erfolgen. Ferner können »heiße« Sekundärstrahlen aus der Fragmentation von Ionenstrahlen aufgesammelt und gekühlt werden. Dafür wird in nächster Zeit zusätzlich die stochastische Vorkühlung zur Verfügung stehen. Sie besteht darin, daß die Bahnabweichungen einzelner Ionenpakete gemessen und korrigiert werden.

Blick in Hauptkontrollraum
Vom Hauptkontrollraum aus wird das ganze Beschleunigersystem gesteuert und überwacht.
Der UNILAC liefert je Betriebsperiode, abhängig von den Experiment-Anforderungen, bis zu sieben verschiedene Elemente für die Experimente am UNILAC, am SIS und am ESR. Dabei wird abhängig von den Intensitäts- und Elementanforderungen entschieden, welcher der Injektoren - Wideröe- oder Hochladungsinjektor - jeweils für die Nieder- oder Hochenergie-Experimente eingesetzt wird. Für sehr teure Elemente wie angereicherte Isotope wird in der Regel der neue Injektor benutzt. Normalerweise werden am UNILAC und am SIS ein Haupt- und ein sogenanntes Parasitär-Experiment (manchmal auch zwei) bedient. Dazu kommt der Strahl für den ESR. Das heißt, daß typischerweise fünf Experimente parallel mit Strahlen beliefert werden. Die Beschleunigeranlage ist zwischen 5000 und 6000 Stunden pro Jahr in Betrieb. Perioden von 5 bis 6 Wochen mit 24-Stunden-Betrieb wechseln mit 2 bis 3 Wochen Wartungs-, Nachbesserungs- und Umbauarbeiten ab. Überwachung und Steuerung der Beschleunigeranlage und der Strahltransportsysteme erfolgt durch einen Schichtleiter und zwei Operateure im gemeinsamen Hauptkontrollraum für alle Beschleuniger. Für kompliziertere Störungen können rund um die Uhr die Spezialisten gerufen werden.



Zukünftige Entwicklung der Beschleuniger
Ziel der laufenden Entwicklungsarbeiten an UNILAC und SIS ist eine weitere Verbesserung der Betriebssicherheit und der Einstell-Reproduzierbarkeit der Beschleuniger und Strahltransportsysteme. Das ist insbesondere in Hinblick auf das Therapieprojekt die vordringlichste Aufgabe. Daneben wurde am SIS mit einem Programm zur Intensitätserhöhung begonnen. Dessen Ziel ist es, so viele Ionen in das SIS einzuschießen, bis die gegenseitige Abstoßung der geladenen Ionen eine weitere Erhöhung der Ionenfüllung unmöglich macht. Das heißt, das SIS soll für alle Ionen bis zur Raumladungsgrenze gefüllt werden. Für leichte Ionen ist dies bereits jetzt möglich. Bei sehr schweren Ionen wie Uran ist man noch um den Faktor 500 von dieser Grenze entfernt.

Graphik zeitliche Entwicklung Ionenströme
Die Graphik zeigt die zeitliche Entwicklung der im SIS beschleunigten Ionenströme (in Einheiten von Teilchen pro Beschleunigerpuls) für die verschiedenen Elemente und den Zeitraum von 1994 bis 1998. Die grünen Balken geben den Stand Ende 1994 und die rot gestrichelte Linie die maximal möglichen Werte an, wie sie im Rahmen des Intensitätserhöhungsprogramms durch Verbesserungen an den Ionenquellen, durch den Einbau eines SIS-Elektronenkühlers und durch den neuen Hochstrominjektor stufenweise erreicht werden sollen.
Die zentrale Komponente dieses Intensitäts-Erhöhungsprogramms ist ein neuer Hochstrominjektor für den UNILAC, der so konzipiert ist, daß er etwa einmal pro Sekunde einen kurzen intensiven Strahlpuls für das SIS liefert. Dafür muß der UNILAC mit Meß- und Überwachungseinrichtungen für höchste Ströme ausgerüstet werden. Dieser Ausbau soll bis Ende 1998 abgeschlossen sein.
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Haben Sie Kommentare oder Vorschläge zu dieser Seite, wenden Sie sich an webmastergsi.de Letzte Änderung: 11. Nov. 2010 von C.Bisignano
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