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25 Jahre GSI

Ein runder Geburtstag - vor nunmehr 25 Jahren, am 17. Dezember 1969, wurde die Gesellschaft für Schwerionenforschung gegründet - ist Anlaß zu einer Gesamtschau. Die hier vorgelegte Broschüre ist jedoch weder Rückblick noch Festschrift. Sie ist vielmehr ein Versuch, den Stand und die Perspektiven eines sich sehr dynamisch entwickelnden Forschungsgebiets in einer auch dem Nichtspezialisten verständlichen Weise darzustellen.

Die Forschung mit schweren Ionen, wie sie heute in Darmstadt dank einer großzügigen Ausstattung mit leistungsfähigen Beschleunigern und Nachweisgeräten betrieben werden kann, umfaßt ein sehr breites Spektrum, das von grundlegenden Untersuchungen zur Kern- und Atomphysik bis hin zu konkreten Anwendungen in der Materialforschung und Strahlenmedizin reicht. Umfang und Bedeutung dieses Spektrums haben die GSI - ein ursprünglich nationales Forschungszentrum für die deutschen Hochschulen - längst zu dem gemacht, was sie heute ist, ein weltoffenes Schwerionenlabor mit insgesamt mehr als 1000 Nutzern, starker internationaler Ausstrahlung und einer Reihe von fast konkurrenzlosen Forschungsmöglichkeiten.

Der Hauptschwerpunkt der Forschung bei der GSI liegt auf der Untersuchung der Eigenschaften von Atomkernen und Atomhüllen. Dabei haben viele der hier anstehenden Themen über mehr als 25 Jahre nicht nur ihre Aktualität bewahren können, sondern erst jüngst einen Reifegrad erlangt, der einen wirklichen Durchbruch und eine abschließende Klärung verspricht. Bereits Anfang der sechziger Jahre war eine Insel stabiler überschwerer Kerne mit dem Element 114 als Zentrum vorausgesagt worden. Zur Jahreswende 1994/95 wurden in Darmstadt die bislang schwersten Elemente mit den Ordnungszahlen 110 und 111 entdeckt, und die Elemente 112, 113, 114 sind in greifbare Nähe gerückt. In den frühen siebziger Jahren wurden erste Spekulationen über hochverdichtete exotische Kernmaterie angestellt. Erst jetzt stehen bei der GSI (und anderswo) die Werkzeuge zur Verfügung, um aus dem komplizierten Erzeugungsmuster vieler Teilchen beim Zusammenprall zweier Atomkerne - symbolhaft dargestellt im Titelbild dieser Broschüre - auf entscheidende Prozesse beim Ablauf von Supernovae-Explosionen - oder gar bei der Geburt des Weltalls - rückschließen zu können.

Der gleiche lange Atem ist bei der Umsetzung von Ergebnissen der Grundlagenforschung in technologische Anwendungen erforderlich. Die Geschichte der Naturwissenschaften ist voll von Beispielen für späte Anwendungen früher Grundlagenerkenntnisse, oft in überraschenden Wendungen, die eine zu diesem Zweck eingerichtete spezielle Anwendungsforschung nie hätte erbringen können. So bildet die Untersuchung der strahlenbiologischen Wirksamkeit schwerer Ionen bereits seit der Gründung der GSI ein wichtiges Teilgebiet der Forschungsarbeiten. Die dabei über einen langen Zeitraum gewonnenen Ergebnisse zusammen mit einigen erst jetzt möglich gewordenen technologischen Neuerungen sind die unabdingbaren Voraussetzungen für ein Projekt zur Tumortherapie mit schweren Ionen, in dem bei der GSI ab 1996 Patientenbestrahlungen durchgeführt werden können.

Und wie geht es weiter? Die seit 1990 sehr erweiterten Anlagen unterliegen einem ständigen Verbesserungsprogramm und werden sicher bis weit ins nächste Jahrzehnt hinein Garant sein für eine fortdauernde Führungsrolle der GSI in der Schwerionenforschung. Dennoch wird sich schon in absehbarer Zeit die Frage nach noch höheren Teilchenenergien, noch höheren Teilchenintensitäten oder noch weiteren Sonden stellen, um erneut für wissenschaftlich interessantes und nirgendwo sonst erschließbares Neuland gerüstet zu sein, Neuland in der Grundlagenforschung, aber gegebenenfalls auch mit einem stärkeren Anwendungspotential. Der Denkprozeß dazu ist eingeleitet, und GSI-Forscher wie Nutzergemeinde sind gefordert, in gemeinsamen Diskussionen zu einem klugen, europäisch getragenen Konsens zu gelangen.
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Haben Sie Kommentare oder Vorschläge zu dieser Seite, wenden Sie sich an webmastergsi.de Letzte Änderung: 11. Nov. 2010 von C.Bisignano
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