Tumortherapie mit schweren Ionen
Entwicklung und Vermarktung der Schwerionentherapie
Bevor der erste Patient bestrahlt werden konnte, wurden in jahrzehntelanger Forschungsarbeit die grundlegenden
Kenntnisse für eine Tumortherapie mit schweren Ionen erarbeitet. Die ersten klinischen Studien zu einer
Schwerionentherapie mit Kohlenstoffionen von rückmarksnahen Tumoren und
Schädelbasistumoren wurden in den Jahren 1997 bis 2007 an der
Gesellschaft für Schwerionenforschung (GSI)
durchgeführt. Dabei wurden Patienten in voller Fraktionierung oder im Rahmen eines
Kohlenstoffionen-Boostkonzepts mit einer sehr hohen Erfolgsrate behandelt. Die Ergebnisse der mehrjährigen
klinischen Nachsorge sind hinsichtlich der Tumorkontrolle und der therapiebedingten Nebenwirkungen ausgesprochen
positiv. Aus der nunmehr verfügbaren umfangreichen klinischen Datenbasis werden stetig detaillierte
medizinische Aussagen hinsichtlich der klinischen Relevanz extrahiert und in international anerkannten
Journalen veröffentlicht. In der Heilkunde sind bereits Therapien der Chordome, Chondrosarkome und
adenoid-zystischen Karzinome etabliert. Weitere Therapien befinden sich noch in der experimentellen Phase.
Besonders wichtig wegen der großen Zahl von möglichen Patienten ist die begonnene Studie zur Behandlung des
Prostatakarzinoms (Kohlenstoffionen-Boostbehandlung). An der HIT-Anlage am Universitätsklinikum Heidelberg laufen z.Zt. sieben weitere Studien.
Mit dieser zielgerichteten, äußerst präzisen und weitgehend
nebenwirkungsfreien Behandlungsmethode werden meist langwierige Krankenhausaufenthalte und Chemotherapien
vermieden.
Vor allem wegen der hohen Heilungsraten wurde der Beschluss gefasst, am Heidelberger Universitätsklinikum
eine Referenzanlage zu bauen, in der ca. 1200 Patienten jährlich behandelt werden können.
Der Bau der
Heidelberger-Ionenstrahl-Therapie (HIT) am Universitätsklinikum in
Heidelberg wurde im Frühjahr 2004 begonnen und mit der Behandlung der ersten Patienten wurde Ende 2009 begonnen.
Die Grundsteinlegung einer zweiten Anlage nach dem in der GSI entwickelten Prinzip fand am 20.8.2007
beim Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH in Marburg statt. Weitere Anlagen sind in Kiel und in Shanghai im Bau sowie in Pavia/Italien.
Das Verfahren der Schwerionentherapie mit Kohlenstoffionen wurde an die Firma Siemens
lizenziert mit dem Ziel, weltweit die geeigneten Anlagen für diese Therapieform zu vermarkten und zu bauen.
Aufgrund der viel versprechenden medizinischen Erfolge bei der Behandlung schwerkranker Menschen konnte inzwischen
auch eine Vereinbarung zur Kostenübernahme zwischen dem Heidelberger Universitätsklinikum und den
Angestelltenkrankenkassen getroffen werden. Neben dem medizinischen Erfolg leistet diese Therapieform auch
einen wichtigen Beitrag zur Senkung der Kosten im Gesundheitssystem.
Entwicklung der Beschleunigeranlage
An der GSI wurde die für die Therapie notwendige Bestrahlungstechnik entwickelt, und wird dort auch
weiterhin kontinuierlich optimiert. Neben der Verbesserung der Sicherheitssysteme ist die
Weiterentwicklung des Bestrahlungssystems für die Bestrahlung von bewegten Tumoren ein wichtiger Bestandteil
der Arbeiten.
Für das Projekt der Therapieanlage in Heidelberg wurde die GSI mit der Entwurfsplanung einer
Beschleunigereinheit betraut. Dies beinhaltete die Lieferung einzelner Komponenten, z. B. Strahldiagnose,
die Montage des Beschleunigers und die erfolgreiche Inbetriebnahme.
Die Entwicklung und Details dieses Projektes sind auf der Webseite von
HICAT zu sehen.
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